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Hindelanger Klettersteig - Wintertour

18. März 2012

Pünktlich um 7:30 Uhr treffe ich mich mit Benjamin an der Nebelhornbahn in Oberstdorf. Gestern Abend haben wir uns für die Realisierung der Tour entschieden, nachdem diese mehrmals verschoben werden musste. Häufig hatte es zu viel Neuschnee und die Lawinengefahr war zu groß oder in der Kälteperiode im Februar verhinderten Temperaturen um die -20 Grad die Durchführung. Zwischenzeitlich hat sich jedoch der Schnee gut gesetzt und die Bedingungen sollten, nach den minus Temperaturen in der vergangenen Nacht, gut sein.
In der Talstation sind wir die einzigen Bergsteiger, die zusammen mit vielen Skifahrern gegen acht Uhr ungeduldig auf das Öffnen der Kasse warten. Mein Klopfen an der Glasscheibe der Kasse wird prompt als Provokation verstanden und ich muss mir eine Belehrung über die Öffnungszeiten anhören. Ich bleibe höflich und bekomme nach einigem Zögern unsere Liftkarten mit einem leichten Kopfschütteln ausgehändigt.
Mit der ersten Gondel geht es dann um 8:30 Uhr hinauf zum Edmund-Probst-Haus (1927 m). Bei der Fahrt zur Gipfelstation der Nebelhornbahn (2224 m) ist der fünf Kilometer langen Grat vom Nebelhorn bis zum großen Daumen, über den der Hindelanger Klettersteig verläuft, gut einsehbar. Nach meiner Einschätzung sind die Verhältnisse am Grat gut und wir sollten in der uns zur Verfügung stehenden Zeit die Tour bewältigen können.
An der Gipfelstation legen wir zunächst die Steigeisen an und verlassen die Seilbahnstation bei wolkenlosem Himmel und recht starkem Föhn. Zunächst geht es kurz abwärts und über eine erste Graterhebung hinweg zum eigentlichen Einstieg. Der Schnee ist hart gefroren und die Steigeisen finden darin einen guten Halt, was automatisch ein sicheres Gefühl vermittelt. Schnell weicht die Anspannung aus Benjamins Gesicht, für den es die erste Winterbegehung eines Klettersteigs ist. Nachdem uns im letzten Jahr die Mont Blanc Überschreitung gemeinsam geglückt ist, habe ich bezüglich der Kondition und des Könnens ohnehin keinerlei Bedenken.
Allerdings darf eine Winterbegehung des Hindelanger Klettersteigs auf keinen Fall unterschätzt werden! Es ist eine lange Tour und von den insgesamt 800 Meter Drahtseil ist oft nur ein Bruchteil überhaupt schneefrei. Ständig bewegt man sich in exponiertem Gelände, und es gibt zahlreiche ungesicherte Passagen, die ohne saubere Steigeisentechnik und Trittsicherheit zur Zitterpartie werden.
An einem ausgesetzten Grat nach dem Östlichen Wengenkopf müssen wir schließlich am Seil gesichert absteigen. Entlang dieses verschneiten Grates sind die Stahlseile unter dem Schnee begraben und auf den Felsplatten unter dem Schnee finden die Steigeisen keinen Halt. Im weiteren Verlauf geht es über eine lange Leiter in die Scharte vor dem Gratkopf und dann über diesen. Hier endet der Klettersteig und wir gehen bis zur Scharte, vor der es im weiteren Verlauf hinauf zum Großen Daumen geht.
Es ist jetzt 13:45 Uhr und wir müssen zunächst eine Wechte überwinden, bevor es dann steil hinunter den durchnässten Schnee zum Laubichelsee geht.
Wenn die Schuhe zuvor noch trocken waren, dann sind diese spätestens jetzt, trotz Garmaschen, komplett durchnässt. Von dort gehen wir mit den Schneeschuhen vorbei am Kobaltsee zurück zum Skigebiet an der Nebelhornbahn. Meine neuen Schneeschuhe sind auf der Ebene und im ansteigenden Gelände gut, bei Hangquerungen habe ich allerdings meine liebe Mühe. Beim Abstieg auf der Skipiste werden mir dann die Grenzen deutlich aufgezeigt und ich rutsch schließlich auf dem Bauch die Piste herunter. Schnell mache ich dem peinlichen Spiel ein Ende und gehe schließlich ohne Schneeschuhe zur Station der Nebelhornbahn am Edmund-Probst-Haus, wo wir um 15:00 Uhr eintreffen. Der Föhn ist zwischenzeitlich zusammengebrochen und aus den dicken Wolken beginnt es leicht zu schneien.

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