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Manaslu (8163 m) Tagebuch 2002

10. April 2002

Tag der Abreise

Viele Dinge sind noch bis zum Abflug um 22:45 Uhr vom Flughafen München zu erledigen.
Am frühen Morgen fahre ich noch einmal ins Büro (Multek) nach Böblingen um meine Urlaubsvertretung die notwendigen Unterlagen zu übergeben und mich bei meinen Arbeitskollegen zu verabschieden.
Am Nachmittag wird nochmals die Ausrüstung überprüft und dann ist die Fahrt zum Flughafen München angesagt.
Hier trifft sich die ganze Expeditionsmannschaft und wir geben unser Gepäck gemeinsam auf. Beim einen Monat zuvor stattgefunden Teilnehmertreffen waren nicht alle Teilnehmer anwesend und so gibt es jetzt erst einmal ein großes Hallo. Der Flug nach Kathmandu geht über Doha, wo die Maschine gewechselt wird. Wir starten wiedererwartend pünktlich.

11. April 2002

Regen in Kathmandu

Die Zwischenlandung in Doha lässt sich in den gut sortierten Duty-Free Shop gut aushalten und der eine oder andere Expeditionsteilnehmer deckt sich mit alkoholischen Getränken für die hoffentlich stattfindende Gipfelparty ein.
Gegen 16:00 Uhr setzen wir dann bei gedecktem Himmel und etwas Regen auf dem Rollfeld in Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal, auf. Der Transfer zum Hotel Yak & Yeti verläuft unproblematisch. Wegen befürchteter Anschläge muss der Busfahrer den unweit vom Hotel gelegenen Königspalast jedoch großräumig umfahren.
Nachdem wir im Hotel unsere Zimmer zugewiesen bekommen haben, überprüfe ich als Erstes, meine in Nepal deponierte Ausrüstung auf Vollständigkeit. Alles ist wie erwartet vorhanden und ich kann die Ausrüstung entsprechend den Bedürfnissen bei der Anreise umpacken. Nachdem es in den letzten Tagen zu mehreren Anschlägen gegen Polizeieinrichtungen durch die Maoisten gekommen ist, hat sich Ralf Dujmovits für die Anreise bis Sama mit dem Hubschrauber entschieden. Daher wird nach der Landung in 3500 m Höhe sofort wärmere Kleidung benötigt und die kurzen Hosen können in den Seesäcken verbleiben.

12. April 2002

Postkasten schreiben

Am Vormittag versehe ich meine 150 Postkarten an Freunde, Geschäftspartner und Sponsoren mit Briefmarken und bringe diese anschließend zum Postamt. Damit die Postkarten dann auch wirklich von Kathmandu verschickt werden, bleibe ich solange auf dem Postamt, bis alle Karten von Hand gestempelt sind.
Für eine Stadtbesichtigung reichte die Zeit jedoch nicht mehr und so verbringe ich den Nachmittag noch mit kleineren Besorgungen. Bereits am nächsten Tag soll der Hubschrauberflug nach Sama stattfinden. Da aus Sicherheitsgründen nur jeweils 7 Personen im Hubschrauber befördert werden dürfen, teilen wir uns in drei Gruppen ein. Die erste Gruppe soll morgen um 6:00 Uhr starten und die beiden anderen jeweils im Abstand von zwei Stunden. Ich bin in der zweiten Gruppe und die Abfahrt zum Flug ist um 8:00 Uhr geplant.

13. April 2002

Hubschrauberflug nach Sama

Um 8:00 Uhr fahren wir mit einem Bus vom Hotel zum Flughafen. Die Zufahrtsstraße zum Flughafen wird von starken Einsatzkräften abgesichert, aber wir kommen ohne Probleme zur Abfertigungshalle. Von der Wartehalle sehen wir den Hubschrauber, welcher gerade vom ersten Flug nach Sama zurückkehrt. Wir sind vom Zustand des Hubschraubers geschockt.
Er ist mit unverbranntem Treibstoff und Öl verschmiert. Nachdem ich bereits einige Flüge mit diesem Typ von Hubschrauber (MI 17) hinter mir habe, weiß ich, was ein solcher Hubschrauber alles leisten kann. Den ersten Flug hat er heute zumindest schon ohne Probleme hinter sich gebracht. Wir dürfen hier nicht unsere Sicherheits-Maßstäbe ansetzen, in den meisten Fällen ist ja auch alles gut gegangen.
Mit lautem Rattern heben wir um 9:00 Uhr vom Rollfeld ab. Eine Verständigung ist im Hubschrauber wegen des lauten Motorengeräuschs nicht möglich. Dafür können schöne Bilder von den Bergriesen durch die offenen Fenster gemacht werden. Der dominanteste Berg ist der 8167 m hohe Dhaulagiri. Nach einer Flugzeit von 45 Minuten taucht dann auch der Manaslu vor uns auf und wir landen oberhalb der Ortschaft Sama in 3500 m auf einer Alm.
Der Manaslu wirkt von hier aus gewaltig und wir versuchen, die geplante Aufstiegsroute mit dem Fernglas zu erkennen. Zur besseren Akklimatisation wollen wir die nächsten Tage hier verbringen und so richten wir es uns gemütlich ein.

14. April 2002

Besuch im Basislager

Die frühen Morgenstunden nutze ich zum Fotografieren und nach dem Frühstück entscheide ich mich spontan zu einem Aufstieg ins Basislager. Die ersten hundert Höhenmeter geht es im Latschengelände nach oben. Hier staut sich bereits die Wärme und ich komme schnell ins Schwitzen.
Der von früheren Expeditionen benutzte Lagerplatz in 4100 m lädt nicht gerade zum Verweilen ein und so steige ich schnell höher. Der weitere Aufstieg erfolgt nun zum größten Teil im Schnee und ist in dem sehr weichen Schnee recht mühsam.
Gegen Mittag erreiche ich das Basislager, welches komplett im schneebedeckten Gelände liegt.
Bei einer norwegischen Expedition werde ich zum Mittagessen eingeladen. Die nun vom Tal aufsteigenden Wolken verschlechtern die Sicht zusehends und ich beginne wieder mir dem Abstieg ins Tal.
Für den ersten Aufstieg in diese Höhe geht es mir recht gut und ich freue mich auf meinen warmen Schlafsack am Abend.

15. April 2002

Besuch im Kloster

Den wolkenlosen Vormittag nutzen wir für kleinere Ausflüge in die Umgebung. Am Nachmittag ziehen Wolken auf und gegen Abend ist es dann total verhangen.
Die Stimmung passt genau zum Besuch des Klosters in Sama. Hier lassen wir die Gebetsfahnen für die Zeremonie (Puja) im Basislager von einem Mönch weihen.

16. April 2002

Materialtransport zum Basislager

Im Morgengrauen stehen die ersten Träger aus dem Ort Sama in unserem Lager und versuchen die beste Last zu ergattern. Das Bild ist bunt gemischt - Jung und Alt - Männer und Frauen. Das Verteilen der Lasten zieht sich in die Länge.
Als dann junge Frauen mit 25 kg Lasten an uns vorüberziehen, steigt unsere Hochachtung gegenüber ihnen ins unermessliche. Was bei uns undenkbar ist, ist hier leider Alltag. Eine andere Verdienstquelle gibt es nicht und so wollen Einwohner aus Sama möglichst viel tragen, damit Geld in die Familienkasse kommt. Der Bürgermeister überwacht das Treiben aufs Genaueste und ihm entgeht nichts.
Vor dem Frühstück ziehen über 50 Lasten an uns vorüber. Der Rest der Ausrüstung soll morgen zusammen mit uns zum Basislager gebracht werden.
Wir versuchen unsere Akklimatisation durch Ausflüge auf die umliegenden Anhöhen, nochmals zu verbessern. Ich besuche einen 4100 m hoch gelegenen Aussichtspunkt, von wo aus man einen tollen Ausblick auf den Manaslu hat.

17. April 2002

Ankunft im Basislager

Am frühen Morgen beginnen wir mit dem Aufstieg zum Basislager. Nach kurzer Zeit ist es jedoch schon sehr warum und uns fließt der Schweiß in Strömen herunter. Bei bestem Wetter erreichen wir das Basislager in 4750 m Höhe noch vor dem Mittag. Nun gilt es sich vor den intensiven Sonnenstrahlen zu schützen, insbesondere da der Schnee im Basislager zusätzlich reflektiert.
Ralf und die Hochträger sind bereits gestern hier eingetroffen und haben in der Zwischenzeit wirklich alle Hände voll zu tun gehabt. Das Küchenzelt und das Essenszelt sind bereits aufgebaut. Auch die Plattformen für unsere Zelte sind schon vorbereitet und wir müssen jetzt nur noch unser Zelt aufbauen. In den Zelten finden wir dann Schutz vor der intensiven Sonneneinstrahlung.

18. April 2002

Zeremonie im Basislager

Die ganze Nacht über hat es geschneit und so liegen am Morgen ca. 10 cm Neuschnee im Basislager. Wir haben schon befürchtet, dass die für heute geplante Zeremonie nicht stattfinden kann, da der Mönch nicht von Sama aufsteigen kann.
Aber weit gefehlt, der Mönch war pünktlich da und die Zeremonie, die sogenannte Puja, konnte wie geplant stattfinden. Durch diese Zeremonie sollen die Bergsteiger und Sherpas von Unheil bewahrt werden.
Wie bereits bei den anderen Expeditionen werden auch bei uns im Lager die Gebetsfahnen gespannt und zum guten Schluss prosteten sich alle zu, mit dem Spruch: "Viel Erfolg bei der Besteigung des Manaslu". Der Rest des Tages steht im Zeichen der Akklimatisation an die Höhe - ausruhen!

19. April 2002

Skiabfahrt

Durch den in der Nacht anhaltenden Wind ist der Schnee am Morgen hart gefroren und es sind nun die besten Verhältnisse für einen Aufstieg zum Lager I. Aber dazu sind wir zu kurz in dieser Höhe und so nutzen die Teilnehmer mit Ski, die Gelegenheit für eine Skiabfahrt. Die Schneeverhältnisse sind dazu ideal. Im Laufe des Tages erfolgt das Verteilen von Hochlagerausrüstung an die Teilnehmer. Alle sind schon sehr auf den Weg zum Lager I gespannt. Wie schwierig wird der Aufstieg sein? Die Antwort werden wir in spätestens zwei Tage wissen, denn zu diesem Zeitpunkt wollen wir zum Lager I aufsteigen.

20. April 2002

Ausflug ins ewige Eis

Heute schaue ich mir den Aufstieg zum Lager I, welcher auf dem Manaslu Gletscher verläuft, etwas genauer an. Unterhalb des Basislagers bricht der eisige Strom in einem steilen Hang ab und zerreißt dabei in hunderttausend Fetzen, Eistürme und bizarre blassblaue Gebilde. Hier oben erinnert mich der Gletscher aber eher an das Hochtal zwischen Lhotse und Everest, welches Western Cwm genannt wird.
Auch im Western Cwm war ich über jeden Windhauch der aufkam froh, aber genau dieser bleibt mir hier heute Morgen versagt. Ich habe keine andere Wahl, als bei drückender Hitze aufzusteigen. Unterhalb von Lager I in 5200 m drehe ich dann um und steige nun im zwischenzeitlich grundlosen Schnee wieder zum Basislager ab.
Für mich steht fest, dass ich zukünftig sehr früh am Morgen aufbrechen werde, damit der Schnee noch hart gefroren ist und sich die Temperatur auf erträglichem Niveau bewegt. Da die Zelte bereits heute Morgen von den Hochträgern zum Lager I gebracht wurden, steht dem ersten gemeinsamen Aufstieg zum Lager I am morgigen Tag nichts mehr im Wege.

21. April 2002

Erste Besteigung des Manaslu in diesem Jahr!

Die erste Gruppe startet gegen 5:45 Uhr und die Zweite um 8:00 Uhr. Warum dieses? Die Antwort darauf ist recht simpel. Gruppe 1 geht zu Fuß und Gruppe 2 mit den Skiern. Da der Schnee um 6 Uhr morgens noch sehr hart ist, warten die Skifahrer, bis der Schnee durch die Sonne etwas weicher geworden ist. Ich bin in der Gruppe der Fußgänger und so ist es in der ersten Stunde nach dem Start doch noch recht kalt, speziell an den Fingern.
Der Sonnenaufgang ist heute fantastisch und ich erreiche nach fünfeinhalb Stunden den Naike Col, wo unser Lager I in 5600 m Höhe aufgebaut werden soll. Wir stellen hier zwei Zelte auf und deponieren darin die mitgebrachte Ausrüstung. Danach begeben wir uns wieder auf den Rückweg zum Basislager.
Obwohl es erst früh am Morgen ist, wird der Schnee schon weich und grundlos, wodurch der Abstieg zum Basislager schon recht unangenehm ist. Kurz nach 10:00 Uhr sitze ich wieder im Basislager und trinke einen Kaffee. Kurz darauf trifft die Nachricht über die erste Besteigung des Manaslu in diesem Jahr im Basislager ein.
Um 9:30 Uhr erreichen die beiden Sherpas Dawa Tsering und Chilu Pemba, sowie die beiden norwegischen Brüder Sven und Jon Gangdal den Gipfel. Der Nachmittag verläuft wie alle Nachmittage bisher: Nebel, Graupel und Schneefall sowie niedrige Temperaturen. Für die vom Gipfel absteigenden Bergsteiger sind das sicherlich nicht die optimalen Bedingungen, aber nach dem letzten Funkspruch am Abend, haben aber alle Bergsteiger sicher das letzte Lager erreicht.

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22. April 2002

Vorbereitungen für die erste Übernachtung im Lager I

Heute wird die Ausrüstung für den ersten Aufenthalt im Lager I zusammengestellt. Zwischen den Zelten hört man dann Wortfetzen wie:
... was nehmen wir zum Essen mit?... die Daunenhose auch mitnehmen ? Usw.
Von der norwegischen Expedition dringt am Nachmittag lauter Freudengesang über den Gipfelerfolg zu uns herüber und wir freuen uns mit ihnen über diesen großartigen Erfolg.

23. April 2002

Erste Nacht im Lager I

Vor Sonnenaufgang verlassen wir das Basislager und steigen die ersten Schneehänge hinauf. Es dauert jedoch nicht lange und dann muss die Kleidung der starken Sonneneinstrahlung angepasst werden. Nach ca. 3 Std. erreichen wir das Lager I in 5600 m und beginnen dort sofort die Plattformen für unsere Zelte aus dem Schnee auszuschaufeln.
Kaum sind die Zelte aufgebaut, ziehen auch schon die ersten Wolken auf. Zuerst ist es noch niederschlagsfrei aber im Laufe des Nachmittags schneit es dann zeitweise. Den Rest des Tages verbringen wir mit Kochen und den Vorbereitungen für den morgigen Aufstieg zum Lager II.
Wo wir das Lager II genau errichten werden, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir sind jedoch sehr zuversichtlich, dass wir einen sicheren und geeigneten Lagerplatz finden werden. Die erste Nacht in einer neuen Höhe ist immer etwas problematisch im Bezug auf Kopfschmerzen, aber ich blieb davon verschont und konnte gut schlafen.

24. April 2002

Aufstieg zum Lager II

Wir haben die Startzeit auf 5:30 Uhr festgelegt und so beginnen wir eine Stunde zuvor mit dem Kochen. Pünktlich verlassen wir das Lager.
Zuerst ist es recht kalt, aber als uns die ersten Sonnenstrahlen erreichen, wird es in kürzester Zeit unerträglich heiß. Gleich zu Beginn geht es über mehrere steile Aufschwünge nach oben. Diese Stellen wurden bereits von den vorherigen Expeditionen mit Fixseilen abgesichert und so können wir zügig nach oben steigen. Unsere Körper sind jedoch noch nicht an diese Höhe angepasst und so wird die Aufstiegsgeschwindigkeit durch die Leistungsfähigkeit des Körpers schnell begrenzt. Oberhalb von 6200 m müssen wir dann folgendes Schema anwenden:
Zehn Schritte gehen ... stehen bleiben und ausruhen.... zehn Schritte gehen ... usw.
Es geht auch kein Lüftchen und so quälen wir uns langsam bis zu unserem geplanten Lagerplatz in 6600 m Höhe hinauf.
Wir freuen uns über den lawinensicheren Platz und einen fantastischen Ausblick. Wir stellen hier oben ein Zelt auf und deponieren darin unsere mitgebrachte Ausrüstung für den nächsten Aufenthalt in diesem Lager. Die meisten Teilnehmer sind schon vorzeitig umgekehrt und so erreichen nur noch Ralf, Sepp, Gianni, ich und unsere drei Hochträger das Lager. Das hat aber noch gar nichts zu bedeuten. Die Zeit der Anpassung an die Höhe ist bei jedem Menschen verschieden.
Schlussendlich haben wir fünf Stunden für den Aufstieg vom Lager I zum Lager II benötigt. Wir sind zufrieden mit uns und beginnen nach einer Pause mit dem Abstieg. Durch die Sonneneinstrahlung ist der Schnee weich geworden und der Abstieg ist entsprechend unangenehm. Gegen Mittag erreichen wir das Lager I und entscheiden uns für den sofortigen Abstieg ins Basislager. In der Zwischenzeit sind Wolken aufgezogen und die Sicht beträgt nur noch wenige Meter. Unter diesen Bedingungen macht der Abstieg wirklich keinen Spaß. Als wir dann im Basislager am Tische sitzen und das Mittagessen zu uns nehmen, wissen wir, warum sich ein Abstieg immer lohnt. Trinken so viel man, will und ein gutes Essen ist immer mehr Wert wie die Anstrengung beim Abstieg.
Am Nachmittag schneit es dann mal wieder ..... so wie fast an jedem Nachmittag. Nicht ergiebig aber doch über Stunden anhaltend. Die Nacht im Basislager ist erheblich angenehmer als die im Lager I.

25. April 2002

Wetterkapriolen

Um 7:00 Uhr ziehen die ersten größeren Wolken auf und bereits zwei Stunden später setzen Graupelschauer ein. Die Sicht sinkt auf unter 50 Meter und man sieht kaum noch von einem Ende des Lagers zum gegenüberliegenden.
Vor Beginn der Niederschläge ist es mir gerade noch gelungen, den Untergrund meines Zeltes wieder in einen ordentlichen Zustand zu bringen. Durch die Hitze ist der Untergrund unter dem Zelt so uneben geworden, dass an ein vernünftiges Schlafen nicht mehr gedacht werden kann. Der Rest des Tages verbringen die Teilnehmer in ihren Zelten und überbrücken die Zeit mit lesen oder Musik hören.

26. April 2002

Eingeschneit im Basislager

Seit gestern schneit es nun schon ohne Pause und das Basislager versinkt im Schnee. Am Morgen gab es eine kurze Unterbrechung und da konnten wir die Zelte von den Schneemassen befreien.
Kurz darauf schneit es wieder ergiebig und es gibt auch am Nachmittag keine Anzeichen der Besserung. Die Hauptbeschäftigung am heutigen Tag ist das Freischaufeln der verschneiten Zelte. Erst am späten Nachmittag können wir dann aufatmen, der Schneefall lässt nach und die ersten Aufhellungen zeigen sich. Es hat bis hinunter nach Sama (3400 m) geschneit und im Basislager liegen etwa 40 cm Neuschnee. Die Lawinengefahr ist durch diese Schneemassen in die höchste Bewertungsstufe gerutscht.

27. April 2002

Sonnenschein

Nach zwei Tagen schlechtem Wetter ist die Nacht sternenklar bei einer Temperatur von -10 °C. Prächtiger Sonnenschein treibt uns am frühen Morgen aus den Schlafsäcken. Die angenehmen Temperaturen während des Tages werden zum Duschen genutzt. Bei über 20 Personen, die sich zum Duschen in unserem Duschzelt angemeldet haben, zieht sich diese Prozedur über Stunden. In der Zwischenzeit seifen sich ein paar Mutige mit Schnee ein. Auch ich war bei diesem Spaß mit von der Partie aber meine Füße sind eine halbe Stunde danach immer noch wie abgestorben. Dann stellt sich aber eine mollige Wärme ein und die hält den ganzen Tag über an.
Am Nachmittag nimmt Ralf noch Kontakt mit seiner Expeditionsgruppe am Cho Oyu auf. Sie stehen gerade in den Startlöchern zu einem Gipfelaufstieg, müssen diesen aber auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Der Grund hierfür ist die derzeitige Wetterlage, bei der die Jetstreams auf eine Höhe von 8000 m abgesunken sind und dadurch Stürme mit über 150 km/h im Gipfelbereich anzutreffen sind. Eine Besteigung eines Achttausenders ist bei diesen Bedingungen nicht möglich.
Am Abend schneit es abermals und in der Nacht fallen weitere 15 cm Neuschnee.

28. April 2002

Zeitplan wird erstellt

Unsere Hochträger steigen zum Lager I hinauf um die vermutlich tief eingeschneiten Zelte auszugraben. Durch die erneuten Schneefälle wurde unser ursprünglichen Plan für die nächsten Tage heute Morgen kurzfristig geändert.

Der ursprüngliche Plan sah folgendermaßen aus:

Sonntag, 28.04.2002
Die Hochträger steigen mit den Zelten für Lager III zum Lager I hinauf.

Montag, 29.04.2002
Die Teilnehmer steigen zum Lager I auf und übernachten dort.
Die Hochträger steigen mit den Zelten für Lager III zum Lager II auf.

Dienstag, 30.04.2002
Die Teilnehmer steigen zum Lager II auf und übernachten dort.
Die Hochträger bauen das Lager III auf und warten auf das Eintreffen der Teilnehmer.

Mittwoch, 01.05.2002
Hochträger und Teilnehmer die sich fit fühlen steigen zum Lager III in 7400 m hinauf, deponieren dort die Zelte und steigen an diesem Tag, nach Möglichkeit wieder bis ins Basislager ab.

Der Wetterverlauf ist heute aber wieder nicht so, wie wir uns das gewünscht hätten. Am Morgen beginnt es erneut zu schneien und an ein Setzen des Schnees ist nicht zu denken. So warten wir erst einmal die Rückkehr der Hochträger vom Lager I ab und wollen ihre Einschätzung hören. Wenn wir oberhalb vom Lager I im Schnee stecken bleiben und zudem noch akute Lawinengefahr herrscht, bringt der ganze Aktionismus nichts. Am Nachmittag teilen die Hochträger über Funk mit, dass im Lager I mehrere Zelte stark beschädigt sind. Ein Teil der Zelte ist überhaupt nicht mehr sichtbar, sodass wir den genauen Schaden erst beim nächsten Aufstieg zum Lager I feststellen können.

29. April 2002

Trostlosigkeit

Erneute starke Schneefälle in der Nacht lassen einen Aufstieg am heutigen Tag nicht zu. Die Hochträger berichteten bereits gestern Abend, dass einige Zelte im Lager I nicht mehr aus dem Schnee herausragen. Nachdem sie mehrere Zelte freigeschaufelt hatten, wurde das Ausmaß des Schadens erkennbar. Was von den ausgegrabenen Zelten noch zu brauchen war, verblieb in Lager I, den Rest - viele gebrochene Gestänge und zerrissene Überzelte - haben wir hier im Basislager repariert.
Konishi, ein japanischer Bergsteiger, den ich seit vielen Jahren kenne, ist gestern Abend nach mehrtägigem unfreiwilligem Aufenthalt in über 6000 m auch wieder im Basislager eingetroffen. Er berichtet von Neuschneehöhen bis zu 1,5 m oberhalb von Lager I und dass alle Zelte in Lager II zerstört sind.
Der heutige Tag beginnt, wieder wie schon so viele in der letzten Zeit, mit dem Freischaufeln der Zelte. Der Luftdruck ist gestern zwar kurzfristig gestiegen und am Abend hatte der Wind aus dem tibetischen Hochland kommend für Aufheiterungen gesorgt, aber heute ist der Luftdruck wieder ins bodenlose gesunken. Nun schneit es wieder ununterbrochen.

Das heutige Schlagwort heißt:

„Es kann nur noch besser werden, schlechter geht es nicht mehr".

Wir verbringen den Tag in den Zelten und lesen. Die Tauschbörse der Bücher ist im vollen Gange. Das Lesen bietet zwar Abwechslung, aber es ist sicher nicht das Hauptziel der Expedition.

30. April 2002

Wetterberuhigung

Nachdem sich am frühen Morgen der Wind zum Sturm gesteigert hat, ist der Schnee in alle Ritzen der Zelte eingedrungen. Als wir dann zum Frühstück gehen, scheint die Sonne und wir können die dringend notwendigen Reparaturarbeiten an den Zelten im Basislager durchführen.
In den vergangenen Schlechtwettertagen hat sich der Untergrund meines Zeltes so drastisch verschlechtert, dass ich da Abhilfe schaffen muss. Nach einem zweistündigen Arbeitseinsatz kann ich wieder waagrecht in meinem Zelt liegen und fühle mich nicht mehr, wie ein Maikäfer der auf dem Rücken liegt.
Die Sonneneinstrahlung war heute so stark, dass sich der Schnee recht schnell gesetzt hat und wir für den morgigen Tag den Aufstieg ins Lager I planen können. Die seit geraumer Zeit vorhandene Probleme mit dem Satelliten-Telefon und der Erreichbarkeit konnte noch nicht geklärt werden. Die Erklärung der Betreibergesellschaft lautet: Die Leitungen sind überlastet, da die Bodenstation in Deutschland geschlossen wurde und nun alle Verbindungen über Frankreich gehen. In den nächsten Tagen sind wir laut unserem Plan unterwegs und nach der Rückkehr gibt es dann hoffentlich eine Lösung für dieses Problem.

01. Mai 2002

Verschüttete Zelte im Lager I

Wie schon in den vorangegangenen Aufstiegen starten wir vor Sonnenaufgang vom Basislager, damit wir nicht zu lange in der prallen Sonne aufsteigen müssen.
Am Naike Col bläst der Wind allerdings in Sturmstärke und die Kleidung muss umgehend an die neuen Gegebenheiten angepasst werden.
Bei der Ankunft im Lager I stockte uns der Atem. Von unseren Zelten ist so gut wie gar nichts mehr zu sehen. Wenn überhaupt, so schauen nur noch die oberen 10 cm des Zeltes aus dem Schnee heraus.
Wir machen uns an die Arbeit und schaufeln die Zelte frei. Hoffentlich ist nicht zu viel kaputt! Nach drei Stunden sind die Zelte freigelegt und wir haben nun einen Überblick über den tatsächlichen Schaden. Mehrere Zeltgestänge sind gebrochen, aber die Zelte können an einem neuen Standort wieder aufgebaut werden.
Immer wieder kommen während des Umbaus starke Windböen auf und so kommt es, wie es kommen musste, ein Zelt wird von einer Windböe erfasst und fliegt davon. Es kommt ca. 100 m unter unserem Lager zum Liegen. Bei Schneetreiben ist aber eine Bergung zu gefährlich und so muss der Verlust des Zeltes in Kauf genommen werden. Der Rest des Tages wird mit Lesen und Kochen in den Zelten verbracht.

02. Mai 2002

Spurarbeit im hüfttiefen Schnee

Vor Sonnenaufgang verlassen wir das Lager I und bahnen uns den Weg durch anfänglich 20 - 30 cm tiefen Schnee. Mit zunehmender Höhe wird der Schnee jedoch rasch tiefer und grundloser.
Oberhalb von 6000 m spuren wir den Weg in teilweise hüfttiefen Schnee und in den Steilstufen können jeweils nur 10 Schritte gespurt werden, bis die Führung an andere Teilnehmer abgegeben werden muss.
Zunehmend schwinden die Kräfte und nach dem Mittag verschlechtert sich dann das Wetter drastisch. Starker Schneefall setzt ein und die Wegefindung im Schnee ist nun äußerst schwierig. Wie fast immer sind genau jetzt zu wenig Flaggen vorhanden, aber wir erreichen unter Einsatz aller Kräfte um 14:30 Uhr das Lager II in 6600 m Höhe. Bei unserem letzten Aufstieg zum Lager II hatten wir hier drei Zelte aufgestellt. Von diesen Zelten ist jetzt nichts mehr zu sehen. In den Zelten sind sowohl weitere Zelte als auch Ausrüstungsgegenstände deponiert. Wir beginnen mit den Ausgrabungsarbeiten und werden unter zwei Meter tiefem Schnee fündig. Die Zelte sind jedoch platt gedrückt und die meisten Gestänge gebrochen. Zum Glück ist der Inhalt der Zelte unbeschädigt und wir können im dichten Schneetreiben neue Zelte aufbauen. Wir sind froh, als wir uns in die Zelte begeben können und uns warmen Tee zubereiten können. Am Abend lässt der Schneefall etwas nach, jedoch verursacht starker Wind in der Nacht erhebliche Schneeverfrachtungen.

03. Mai 2002

Abstieg ins Basislager

Der Morgen begrüßt uns mit Sonnenschein und relativ milden Temperaturen, jedoch sind über Tibet recht bedrohliche Wolken. Der Wind kommt derzeit aus dieser Richtung und so können wir den Wetterverlauf für die kommenden Stunden nicht einschätzen.
Die Aufstiegsspur ist zum größten Teil verschwunden und es sind nur noch leichte Schatten im Schnee von unserer gestrigen Arbeit zu erkennen. Um 8:00 Uhr beginne ich mit dem Abstieg ins Tal. Teilweise reicht mir der Schnee bis zum Oberschenkel. Ich versuche, so schnell wie möglich das Lager I zu erreichen. 300 Höhenmeter oberhalb von Lager I treffe ich auf eine amerikanische Expedition, die sich im Aufstieg zum Lager II befindet. Ab hier ist der Abstieg erheblich Kraftsparender.
Im Lager I deponiere ich meine Ausrüstung und steige sofort zum Basislager ab. Das Mittagessen schmeckt nach dieser Anstrengung besonders gut und der anschließende Mittagsschlaf lässt die Kraft auch wieder zurückkehren. Das Wetter verschlechtert sich mal wieder und am Abend gibt es am Horizont Wetterleuchten. Ein starker Wind raubt uns in der Nacht den Schlaf.

04. Mai 2002

Bilderbuchwetter

Nachdem sich der Wind bis zum Sonnenaufgang gelegt hat, begrüßt uns der Tag mit Sonnenschein pur. Seit wir hier im Basislager sind, gab es noch keinen Tag, der annähernd so schön war wie der heutige. Es ist keine Wolke am Himmel und nur am Gipfel des Manaslu weht ein starker Wind. Hier im Basislager ist es sehr warm. Gegen 5:00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit klappt dann auch die Verbindung über Satellit nach Deutschland und ein Live Interview mit Michael Welter vom SWR 4 Tübingen kommt zustande. Bis zum Mittag ist dann auch Ralf, Sepp, Gianni und unser pakistanischer Hochträger Qudrat Ali vom Lager II zurück. Sie sind einen Tag länger im Hochlager geblieben, um den weiteren Weg zum Lager III zu erkunden. Zwei Hochträger sollten heute weitere Zelte ins Lager III in 7400 m bringen. Sie müssen aber wegen zu starken Wind oberhalb vom Nord Col wieder umkehren und machen am erreichten Punkt ein Depot. Bei dem schönen Wetter genehmigen sich alle Teilnehmer im Laufe des Tages eine ausgiebige Dusche und bringen ihr Äußeres wieder in einen guten Zustand. Erst gegen Abend ziehen Wolken auf und bringen in der Nacht erneut Graupelschauer, die jedoch nicht so ergiebig sind, wie die in den vergangenen Tagen.

05. Mai 2002

Neuschnee

In der Nacht hat es ca. 10 cm Neuschnee gegeben, aber am frühen Morgen scheint die Sonne wieder. Heute stellt sich die Frage wie man sich vor der Sonneneinstrahlung schützen kann, denn es hat bereits am Morgen 35 °C im Zelt. Es ist ein richtig tolles Sonntagswetter und wir warten auf den richtigen Zeitpunkt, bis wir zum Gipfel aufsteigen können.
Unverkennbar ist die Nervosität innerhalb der Gruppe zu spüren. Sollte das Wetter mitmachen, so können wir frühesten in zwei Tagen mit dem nächsten Aufstieg beginnen. Ein Anruf beim Wetteramt in Innsbruck holt uns aber gleich wieder in die Realität zurück. Demnach soll das Wetter in den nächsten Tagen unbeständig sein und es ist mit weiteren Schneefällen zu rechnen. Dr. Gabel, der Leiter des Wetteramts in Innsbruck, möchte bis morgen nochmals eine Wettervorhersage ausarbeiten. Wir hoffen immer noch auf einen Schönwetterzyklus in den nächsten Tagen.

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06. Mai 2002

Geburtstagsfeier

Mit hoher Schichtbewölkung und einer Wolkenhaube über dem Gipfel des Manaslu begrüßt uns der heutige Tag. Ob diese Wolken nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen sind, darüber wollen wir lieber nicht nachdenken. Heute hat unser Expeditionsarzt Johannes Carstensen Geburtstag und so stimmen wir zum Frühstück ein Geburtstagslied an. Es ist eine ausgelassene Stimmung und die Teilnehmer widmen sich dem Unterschreiben der 500 Postkarten. Nachdem ich über die Hälfte der Postkarten unterschrieben habe, muss ich erst einmal eine Pause einlegen. Jetzt habe ich den Punkt erreicht, wo ich meine eigene Unterschrift nicht mehr lesen kann. Danach geht es mit neuem Schwung wieder ans Werk. Gegen Mittag rufen wir Dr. Gabel vom Wetteramt Innsbruck an, um die neuesten Wettermeldungen zu erfahren:

„Bis zum kommenden Freitagnachmittag ist es noch schön, dann nähert sich ein Tiefdruckgebiet und es ist mit erneutem Schneefall zu rechnen."

Was tun ist jetzt die große Frage. Bis zum Freitag ist nicht mehr viel Zeit und so entscheiden wir uns für den morgigen Aufstieg. Schnell wird die notwendige Ausrüstung für den Aufstieg zum Gipfel zusammengestellt. Wir wollen morgen bis zum Lager I gehen und die Sherpas direkt bis zum Lager II.

07. Mai 2002

Aufstieg zum Lager I

Um 8.00 Uhr verlassen wir das Basislager und erreichen gegen Mittag bei idealem Wetter das Lager I. Der Rest des Tages verläuft wie die meisten Tage in den Hochlagern: Wasser kochen - trinken - lesen - warten.
Das Wetter ist den ganzen Tag über prächtig. Nur am Gipfel des Manaslu ist ständig eine Schneefahne zu sehen. Ein deutliches Zeichen, dass dort oben ein starker Wind weht.
Zumindest kommt der Wind aus nördlicher Richtung und das ist üblicherweise trockene Luft aus Tibet. An die Höhe sind wir zwischenzeitlich auch recht gut akklimatisiert und so schlafen wir in der Nacht sehr gut.

08. Mai 2002

Der unendlich weitere Weg zum Lager II

Bei Sonnenaufgang verlassen wir das Lager I und steigen in den zerklüfteten Eisbruch. Solange wir noch im Schatten laufen ist es sehr kalt und ich muss meine dicken Handschuhe anziehen.
Die Aussicht ist heute wieder fantastisch. Nur im Tal ziehen die ersten Wolken auf und wir blicken über ein Wolkenmeer.
Beim letzten Aufstieg mussten wir uns den Weg durch tiefen Schnee bahnen und es kostete uns unendlich viel Kraft, bis wir den Höhenunterschied von 1000 m überwunden hatten. Heute sind die Bedingungen erheblich besser und wir können uns die Energie für die Gipfeletappe aufheben.
Der Eisbruch hier am Manaslu besitzt nicht die Wildheit eines Kumbu Eisbruchs am Mount Everest, aber hier ist nur ein Bruchteil der Bergsteiger und es ist nicht möglich, die Aufstiegsspur immer in einem optimalen Zustand zu halten. Alles hat eben seine Vor - und Nachteile. Am Nachmittag erreichen wir das Lager II, das wie ein Adlerhorst unterhalb einer großen Gletscherspalte gelegen ist und dadurch weitgehend lawinensicher ist.
Wir sind im Moment zu müde, um den grandiosen Ausblick von hier oben genießen zu können und ziehen uns bald in unsere Zelte zurück.
Wie der morgige Weiterweg aussieht, wissen wir nur aus Erzählungen von unseren Sherpas, die bereits heute einen Teil der Zelte ins Lager III gebracht haben und am späten Nachmittag wieder ins Lager II abgestiegen sind.

09. Mai 2002

Schwieriger und mühsamer Aufstieg zum Lager III

Zuerst gehen wir hinter unseren Zelten in Richtung N - Col. Unterhalb diesen Col hat der japanische Bergsteiger Konishi sein Lager III errichtet.
Ob diese Wahl des Platzes bei den hier häufig herrschenden Stürmen so sinnvoll ist, mag bezweifelt werden. Vor hier aus geht der Aufstieg in einer Geländesteilheit von 45° nach oben. Die Norweger haben hier Fixseile zurückgelassen, was im Anbetracht von Blankeis und der Geländesteilheit auch bitter nötig ist.
Der Wind bläst die ganze Zeit Unmengen von Schneekristallen über unsere Köpfe hinweg und ich traue mich nicht, meine Kamera aus dem Rucksack zu holen. So habe ich von dieser Passage leider keine Bilder..... Alles in allem ist der Aufstieg sehr mühsam und wir sind glücklich als wir den Lagerplatz in 7400 m zu Gesicht bekommen. Das Lager III liegt in einer Mulde, die einen ebenen Schneeuntergrund besitzt, allerdings ist man hier schutzlos dem Wind ausgesetzt. Als wir im Lager ankommen, geht nur ein mäßiger Wind und wir beginnen sofort mit dem Aufbau der Zelte.
In dieser Höhe artet der Aufbau des Lagers in Schwerstarbeit aus. Jeder Handgriff ist anstrengend und wir versuchen uns anschließend, in unseren Schlafsäcken auszuruhen. Da wir bereits um Mitternacht aufbrechen wollen, ist die Zeit eh sehr knapp bemessen.
Am Abend ist die Sicht zum Gipfel sehr gut und wir versuchen, uns die Aufstiegsspur einzuprägen. Sepp steigt ein Stück nach oben und steckt Markierungsfahnen, damit wir in der Nacht den Weg finden.

10. Mai 2002

Gipfeltag

Um 24:00 Uhr stehe ich in voller Montur vor dem Zelt und warte darauf, dass der Rest der Teilnehmer aus den Zelten kommt. Es ist kalt und es macht keinen Spaß vor dem Zelt zu warten. Nach und nach erscheinen alle Expeditionsmitglieder und wir verlassen um 0:30 Uhr das Lager. Auf den ersten Metern bläst uns bereits ein eiskalter Wind entgegen.
Die Markierungsfähnchen sind jetzt sehr hilfreich um den Weg zu finden, aber nach kurzer Zeit stehen wir vor einem Band aus blankem Eis. Vergeblich versuchen wir einen Durchschlupf auf der rechten Seite zu finden, dann schwenken wir in einem weiten Bogen links und können hier nach langer Suche den entscheidenden Durchlass finden. Es hat den Anschein, dass wir nun das große Plateau erreicht haben. Bei der Dunkelheit ist das aber sehr schwer auszumachen. Zumindest geht es jetzt nicht mehr ganz so steil nach oben. Immer wieder machen wir eine Pause, damit die hinteren Teilnehmer aufschließen können. Die Zahl der noch aufsteigenden Bergsteiger hat sich in der Zwischenzeit leider schon reduziert. Es erreicht uns die Nachricht, dass der Rest umgedreht hat. Die Gründe wissen wir nicht. Ist die Höhe oder die große Kälte schuld an der Umkehr? Nach und nach wird es heller und wir können den Gipfelaufbau in den Umrissen erkennen. Bis dort hin ist es allerdings noch ein sehr weiter Weg. Der Aufstieg wird jetzt immer steiler und auch der Wind nimmt mit zunehmender Höhe an Stärke zu. Das Resultat ist, dass wir immer langsamer werden. An Essen und Trinken ist wegen der Gefahr von Erfrierungen an den Fingern auch nicht möglich. Aus dem gleichen Grund traue ich mich auch nach dem Sonnenaufgang, nicht zu fotografieren. Ich denke nur darüber nach, wie ich ohne einen Schaden zum Gipfel hinauf und wieder herunterkomme. Endlich geht die Sonne auf und es wird nun ein wenig wärmer. Was heißt hier wärmer? Die Temperatur ist seit dem Start vom Lager III zwischen -30 °C bis -40 °C kalt und der starke Wind kühlt uns noch weiter aus. Sehnsüchtig erwarten wir den Sonnenaufgang und hoffen auf ansteigende Temperaturen. Als wir unterhalb dem steilen Gipfelaufbau angelangt sind, erreicht uns die sehnlichst erwartete Sonne.
Schritt um Schritt mühen wir uns nach oben und stehen dann vor dem Gipfelaufbau, der von Wolkenfetzen umtost wird. Ein ausgesetzter Firngrat, der von Felsen unterbrochen wird, mündet zum Gipfel.

Hurra, es ist geschafft! Zwischen 7:00 Uhr und 8:30 Uhr erreichen 8 Teilnehmer und 2 Sherpas den Gipfel.

Schnell mache ich noch ein paar Bilder vom Gipfel. Gerade jetzt ist auch noch der Film voll und ich muss umständlich einen neuen Film einlegen. Ohne Handschuhe ist das bei dieser Kälte kein leichtes Unterfangen. Nach zehn Bildern wird der Film nicht mehr weiter transportiert und es sieht so aus, als ob Eis in der Filmpatrone einen Transport unmöglich macht. Also, das gleiche Spiel nochmals mit dem Filmwechsel. Nach 30 Minuten Aufenthalt beginne ich mit dem Abstieg. Nachdem ich 50 m abgestiegen bin, wird die Sicht so schlecht, dass ich mich zur Umkehr entscheide. So steige ich nochmals hinauf, bis ich auf den Rest der Gruppe stoße, damit ich mich auf keinen Fall von ihnen trenne. Augenblicklich fällt mir wieder die Situation am Nanga Parbat ein. Dort hat sich die Gruppe beim Abstieg getrennt. Für mich hatte das ein bitterkaltes Biwak in 7800 m Höhe zu Folge und das wollte ich auf gar keinen Fall riskieren. Nachdem ich wieder bei der Gruppe angelangt bin, beginnen wir gemeinsam den Abstieg. Jetzt folgt der lange Abstieg, welcher volle Konzentration erfordert. Als wir an die Stelle kommen, die uns in der Nacht so viel Kopfzerbrechen bereitet hat, ist plötzlich ein lauter Aufschrei hinter mir zu vernehmen. Was ist passiert? Ich erkenne wie etwas angeflogen kommt. Zuerst denke ich, dass jemand der Rucksack entglitten ist, und setze meinen Abstieg fort. Ich komme an eine weitere Steilstufe und muss dort erst eine geeignete Stelle für den Abstieg finden. Ich muss jetzt warten, bis die Sicht so gut ist, dass ich das ganze Gelände überblicken kann. Von oben kommt mir ein Tross mit mehreren Personen langsam entgegen. Erst jetzt erkenne ich, dass doch etwas passiert sein muss. Alois ist mit den Steigeisen auf einer Eisplatte ausgerutscht und gut 200 m heruntergefallen. Welche Verletzungen er genau hat, mag im Moment niemand zu sagen. Gemeinsam bringen wir ihn ins Lager III, wo wir gegen 14:00 Uhr eintreffen. Ein paar Teilnehmer wollen morgen nochmals ihr Gipfelglück versuchen und bleiben aus diesem Grund im letzten Lager. Anton und ich sind zu müde für den langen Weg bis zum Lager II und entscheiden uns für den morgigen Abstieg.
Gegen Abend hat sich der Wind zum Sturm gesteigert und an Schlafen ist in dieser Nacht nicht mehr zu denken. Ich hasste mich selbst, für die Entscheidung, nochmals eine Nacht in diesem Lager zu bleiben. Diejenigen, die zum Lager II abgestiegen sind, erreichen das Camp gegen 21:00 Uhr mit großen Problemen bei der Wegefindung in der zwischenzeitlich eingekehrten Dunkelheit.
Die Nacht im Lager III war einfach schrecklich und mehrmals war ich kurz davor, mich anzuziehen, damit ich gewappnet bin, falls der Sturm das Zelt zerstören würde. Gott sei Dank hat das Zelt diese Nacht ohne Schaden überstanden.

11. Mai 2002

Der Berg gehört dir erst, wenn du wieder unten bist

Nachdem die ersten Sonnenstrahlen das Zelt erreichen, packen wir unsere Ausrüstung zusammen. Der Wind ist auch am Morgen kaum schwächer geworden und so ist es äußerst schwierig, die Zelte abzubauen. Mit vereinten Kräften gelingt uns das aber doch, ohne dass uns ein Ausrüstungsgegenstand wegfliegt.
Beim Verlassen des Lagerplatzes vergewissern wir uns nochmals davon, dass kein Müll zurückbleibt. Jetzt liegt ein langer, anstrengender und kniffliger Abstieg ins Tal vor uns. Ein letzter Blick hinauf zum Gipfel und dann beginnen wir mit dem Abstieg. Mit prall gefüllten Rucksäcken müssen wir gleich zu Anfang eine Querung mit blankem Eis meistern, bevor wir zu den Fixseilen gelangen. Die letzte Nacht hat mich viel Kraft gekostet, und so schleiche ich die ersten Meter, nur so vor mich hin. Als ich bei den Fixseilen bin, ist wieder Leben in meine müden Glieder gekommen und es geht wieder mit gewohnter Sicherheit voran. Selbst mit den vorhandenen Fixseilen ist der Abstieg sehr heikel und erfordert äußerste Konzentration. Kaum habe ich mich die ersten Seillängen abgeseilt, entgleitet mir auch noch der Abseilachter und entschwindet mit einem hopp .. hopp ... hopp. Mit den dicken Handschuhen ist die Handhabung einfach sehr schwierig. Jetzt muss ich mich mit einem HMS-Karabiner abseilen, welches mit Handschuhen noch schwieriger ist. Aber es muss irgendwie gehen .... Oberhalb des Col hören dann die Fixseile auf und die nur spärlich vorhandenen Fähnchen sind auch kaum zu sehen. Da die Sicht zwischenzeitlich erheblich schlechter geworden ist, angle ich mich von Fähnchen zu Fähnchen. Dann sind plötzlich gar keine Fähnchen mehr vorhanden und jetzt wird es so richtig schwierig. Vor mir ist niemand und so gehe ich nach Gefühl weiter. „Irgendwo hier, auf der rechten Seite, muss es ja zum Lager II hinunter gehen", sage ich innerlich zu mir und bin mir aber nicht sicher, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Dann sehe ich aber wieder Spuren und folge diesen, bis ich wieder zu dem Fixseil komme, welches bis zum Lager II hinunter führt. Glücklicherweise empfangen mich dort die Kollegen, die gestern abgestiegen sind, mit heißen Getränken. Ich trinke so viel ich kann und versuche mich etwas zu erholen.
Unsere Hochträger bauen jetzt die Zelte vom Lager II ab und jeder bekommt nochmals eine zusätzliche Last in den Rucksack. Nach dieser Ruhepause setzen wir den Abstieg zum Lager I fort. Im Eisbruch erwartet uns eine weitere Überraschung:
Eine riesige Eislawine ist über unsere Aufstiegsspur hinweggefegt und der Verlauf der Abstiegsspur hat sich komplett geändert. Entkräftet schleppen wir uns zum Lager I. Der Weg will kein Ende nehmen und so sind wir sichtlich erleichtert, als wir geben 16:00 Uhr, im Lager I einen Tee trinken können.
Nach dieser Stärkung gilt es nur noch so schnell wie möglich ins Basislager. Nun ja, von schnell kann eigentlich nicht mehr die Rede sein, denn der Schnee ist am späten Nachmittag aufgeweicht. Bei jedem Schritt sinkt man bis zu 20 cm in den sulzigen Schnee hinein. Das hat mir gerade noch gefehlt! Aber auch dieses werden wir noch überstehen. Zwei Stunden später sitze ich im Basislager und trinke ein Bier und ich bin froh, dass ich alles ohne Schaden überstanden habe. Dass das nicht selbstverständlich ist, macht der Unfall von Alois sehr deutlich. Das hätte schlimm enden können. Zum Glück hat Alois „nur" eine Platzwunde an der Stirn sowie Schürfungen und Prellungen am ganzen Körper. Das heilt wieder, ob die Erfrierungen an den Fingern von vier Teilnehmern ohne Langzeitschäden bleiben, kann unser Expeditionsarzt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit Gewissheit sagen. Nach einem ausgiebigen Abendessen schlafe ich in der kommenden Nacht den Schlaf der Gerechten.

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12. Mai 2002

Zurück im "normalen" Leben

Nur langsam und mühevoll krabbeln die Teilnehmer am Morgen aus ihren Zelten. Die angefrorenen Finger der Kollegen sehen gar nicht lustig aus und die Betroffenen klagen über starke Schmerzen.
Alle haben Probleme mit verbrannten Lippen und müssen ab sofort scharf gewürzte Speisen meiden. Der Expeditionsarzt kann sich heute über Arbeit nicht beklagen - hier ein Verband - dort eine Salbe. Die Sherpas bringen am Vormittag die verbliebene Ausrüstung von Lager I herunter und damit ist der Berg wieder abgeräumt.
Am Nachmittag beginnen die Vorbereitungsarbeiten für eine Gipfelparty. Die Köche der anderen Expedition sind in unserer Küche und richten das Essen her.
Alle, die sich im Basislager aufhalten, sind zu dieser Party eingeladen. Nach und nach treffen die Bergsteiger am Abend zur Party ein. Aus Platzgründen müssen alle stehen, aber das gute und reichhaltige Essen sowie die unterschiedlichsten Getränke schmecken auch im Stehen. Es wird viel gelacht und die Anstrengungen der letzten Tage sind zumindest für den heutigen Abend schnell vergessen. Bedingt durch die trockene und kalte Luft haben die meisten Bergsteiger einen Höhenhusten bekommen, der die Nachtruhe empfindlich stört.

13. Mai 2002

Ausrüstung überprüfen

In zwei Tagen wollen wir das Basislager verlassen, aber bis dahin gibt es noch jede Menge zu tun. Mehrere Teilnehmer beginnen nach dem Frühstück mit dem Sortieren und dem Trocknen der Ausrüstung aus den Hochlagern. Die überwiegende Mehrheit der Expeditionsgruppe ist jedoch mit dem Einebnen eines Hubschrauberlandeplatzes beschäftigt. Für was einen Landeplatz? Wir möchten das Expeditionsgepäck direkt von hier nach Kathmandu fliegen lassen. Dann können wir, mit nur leichtem Gepäck, unser Trekking über den Larkya La bis nach Besisahar durchführen. Ob der Hubschrauberflug aber termingerecht stattfinden kann, ist nach dem heutigen Telefonat mit dem Flughafen in Kathmandu noch offen. In der Hauptstadt Kathmandu regnet es heute und ein Sichtflug ist zumindest derzeit nicht durchführbar.

14. Mai 2002

Vorbereitungen für die Abreise vom Basislager

Persönliche Ausrüstung zusammenpacken sowie der Abbau des Basislagers ist das heutige Motto. Ich stehe vor meinen Plastiktonnen und meinem Seesack und überlege mir, wie ich da alles wieder Reinbekommen soll. Da ich einen Großteil meiner Ausrüstung in Nepal lassen möchte, muss jeder Gegenstand, der in die Tonne wandert und in einer Liste protokolliert wird. Zuhause hat man mit dem Zusammenstellen der Ausrüstung Tage verbracht, hier muss es aber innerhalb Stunden erledigt sein. Am Nachmittag kann ich dann das Zusammenpacken meiner Habseligkeiten abschließen. Ich bin heil froh, dass ich mich in den nächsten Tagen mit dem Trekking zurück nach Kathmandu beschäftigen kann und somit meiner Seele Zeit zum Baumeln lassen kann.

15. Mai 2002

Rückkehr in die Zivilisation

Der Hubschrauber soll gegen 9:00 Uhr hier eintreffen. Ein Hubschraubergeräusch können wir jedoch nicht vernehmen. Ein Anruf in Kathmandu klärt dann die Situation. Es hat zu viele Wolken und ein Flug ist heute nicht möglich. Hier bei uns haben sich die dicken Wolken vom frühen Morgen in der Zwischenzeit verzogen und es scheint die Sonne.
Ralf schickt unseren Sirda ins Tal, um aus Sama Träger für den Abtransport der Ausrüstung zu organisieren. Wir selbst steigen auch vormittags nach Sama ab.
Auf dem Weg ins Tal kommen wir an wunderschönen Blumen vorbei. Nach wochenlangem Aufenthalt im Schnee erfreut man sich an dem Grün der Bäume sowie den prächtigen Farben der Blumen. Eilig steigen wir hinunter nach Sama ab und lassen uns dort in der „Mount Manaslu Lodge" nieder.
Das Wetter ist zwar am Nachmittag wieder schlechter geworden aber unsere Stimmung steigt mit zunehmendem Bierkonsum.

16. Mai 2002

Warten auf den Hubschrauber

Am Morgen ziehen schon richtig dicke Wolken herauf und da ist für uns jetzt schon klar, dass wir nicht mehr mit dem Hubschrauber rechnen können. Wir besichtigen das Dorf am Vormittag. Der Verdienst der Einwohner durch die Expeditionen hat hier bereits für einen gewissen Wohlstand gesorgt. Wir haben auch eine großzügige Spende für die hiesige Schule gemacht. Nach Sama sind jedoch bis jetzt nur wenige Touristen gekommen und so hat das Dorf seinen ursprünglichen Charakter bewahren können. Am Nachmittag trifft die amerikanische Expedition unter der Leitung von Tom Fitzsimmons hier in der Lodge ein. Auch sie wollen ihren Erfolg mit Bier begießen, aber es ist nicht genügend Vorrat im Dorf vorhanden.
Die Sherpas der amerikanischen Expedition haben zwei Filme von mir am Gipfel des Manaslu gefunden und übergeben diese mir. Sie befanden sich in einer Tüte mit der Aufschrift meines Sponsors Hewlett-Packard und Ralf hat die Amerikaner gleich auf mich verwiesen. Es ist fast unvorstellbar und unglaublich, dass jemand Filme in über 8000 m findet, sie dann herunterbringt und der Eigentümer gefunden wird. Leider fehlt mir aber nach wie vor ein Film mit den Aufnahmen vom Gipfel. Beim Wechseln eines Filmes am Gipfel müssen mir die Filme aus der Rucksackdeckelklappe gefallen sein. Alois wird wegen seiner Verletzungen nicht beim Trekking teilnehmen und wartet hier auf den Hubschrauber, der ihn direkt nach Kathmandu bringt.

17. Mai 2002

Das Trekking beginnt: von Sama nach Dharamsala

Kaum haben wir Sama hinter uns gelassen, so laufe ich total entspannt, in einem wundschönen grünen Tal in Richtung Samdo, das in 3780 m Höhe angesiedelt ist.
Wir kommen an Sträuchern mit bezaubernden Blüten und weidenden Yaks vorbei.
Das ist Nepal wie man es sich wünscht. Samdo ist ein kleines Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben scheint. Zumindest gibt es eine kleine Schule und ein Kloster.
Hinter Samdo geht der Weg steil nach oben und von hier hat man einen tollen Ausblick auf den Manaslu. Vom Lager I bis zum Gipfel kann man die gesamte Aufstiegsroute einsehen und entsprechend oft wird auch der Auslöser der Kameras betätigt.
Am Nachmittag errichten wir unser Lager für die kommende Nacht, bei einer kleinen Alm in der Ansiedlung Dharamsala in 4460 m Höhe. Es ziehen jetzt dicke Wolken auf und am Abend regnet es. Hoffentlich haben wir am nächsten Tag gutes Wetter, damit wir am Larkya Pass etwas sehen können.

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18. Mai 2002

Über den Larkya Pass nach Bimtang

In der Nacht hat es wieder zu regnen aufgehört, aber die Zelte müssen total nass verpackt werden.
Leider sind die hohen Berge alle in Wolken und so steigen wir hinauf zum Larkya Pass in 5200 m Höhe ohne die sicherlich beeindruckende Landschaft anschauen zu können.
Am Pass versammeln wir uns alle zu einem Gruppenbild, was ja am Gipfel des Manaslu nicht möglich gewesen ist.
Hinter dem Pass geht es dann im dichten Nebel sehr steil hinunter. Die Steine sind durch den leichten Niederschlag nass und man muss höllisch aufpassen, dass man nicht auf dem Hosenboden landet. Die heutige Etappe will kein Ende nehmen. Endlich taucht vor uns eine ebene Grünfläche mit ein paar Almhütten auf. Wir haben das heutige Ziel nach einem Abstieg von 5200 m auf 3600 m Höhe mit schmerzenden Füssen erreicht. Auf der Wiese vor den Almhütten stellen wir unsere nassen Zelte auf, in der Hoffnung, dass sie bis zum Abend noch trocknen. Aber weit gefehlt, es beginnt wieder zu regnen. Wenigstens gibt es in der Almhütte ein wärmendes Feuer um, welches sich alle bis zur Nachtruhe versammeln.

19. Mai 2002

Durch den Regenwald nach Dharapani

Wieder mal die nassen Zelte zusammenpacken - eine Trekkingreise kann so schön sein! Aber unser Unmut ist nach einem kurzen Abstieg schnell verflogen, denn wir tauchen in einen Regenwald ein, dessen Schönheit kaum noch zu überbieten ist.
Mehrere Meter hoch sind die Rhododendren - Bäume inmitten der gewaltigen Urlandschaft. Im Nebel sieht der Wald gespenstisch aus und die teilweise durchdringenden Sonnenstrahlen tragen zu dieser eigenartigen Stimmung bei.
Alle paar Meter bleiben wir für eine Fotopause stehen, bis wir an die Alm Tsangling kommen. Der Wald wird nun immer lichter, bis wir ihn komplett hinter uns lassen.
Nun führt unser Weg entlang des Flusses Dudh Khola und den größeren Ort Tillje. Die Temperaturen machen uns jetzt, trotz kurzer Hosen und Sonnenhut, zu schaffen und wir kaufen uns bei jeder möglichen Gelegenheit etwas zum Trinken.
Am Nachmittag erreichen wir dann die Ortschaft Dharapani, die nur noch 1900 m hoch gelegen ist. Hier übernachten wir im „Tibet Guest House" und haben die Gelegenheit zu duschen und in einem Bett zu schlafen. Nach wochenlangem Aufenthalt im Zelt ist ein Bett eine richtige Wohltat.

20. Mai 2002

Im Tal des Marsyandi Flusses nach Syanje

Den ganzen Tag über folgen wir dem Marsyandi Fluss und müssen ihn mehrmals durch Hilfe von Hängebrücken überqueren. Wasserfälle und kleine Ortschaften wechseln sich ab. Hier sind nun erheblich mehr Leute unterwegs. Allerdings kaum Trekker, diese sind wegen der derzeitigen politischen Lage in diesem Jahr ausgeblieben.
Wir befinden uns jetzt auf der Annapurna Trekking Runde und da ist es üblich, dass sehr viele Fremde unterwegs anzutreffen sind. Oberhalb von Syanje übernachten wir in einer kleinen Lodge.

21. Mai 2002

Letzte Trekkingetappe von Syanje nach Besisahar

Jetzt kann uns nichts mehr halten, alle Trekker eilen entlang der Reisfelder in einem Auf und Ab bis nach Buhlbhule.
Die Temperaturen sind nun schon tropisch und wir kommen total durchnässt in Buhlbule an. Nachdem alle in der Ortschaft eingetroffen sind, kocht unsere Küchenmannschaft ein letztes Mal im Rahmen dieser Expedition, für uns im Freien. Anschließend sind wir nochmals eine halbe Stunde in glühender Hitze unterwegs, bis wir endlich auf eine befestigte Straße treffen.
Hier wartet bereits ein Bus auf uns, der uns nach Besisahar bringt. Kaum sind wir in der Ortschaft angekommen und haben unsere Zimmer in einem Hotel bezogen, treffen sich die meisten Teilnehmer beim Friseur. Manche Teilnehmer sind mit einem neuen Haarschnitt und einer Rasur kaum wiederzuerkennen.

22. Mai 2002

Busfahrt von Besisahar nach Kathmandu

Wir starten früh am Morgen mit dem Bus, solange es noch nicht so heiß ist. Auf den Straßen ist viel Verkehr und mir fällt auf, dass diese Situation von Jahr zu Jahr schlimmer wird. Der Zustand der Straßen wird auch immer schlechter und so quälen sich die Fahrzeuge über die hügelige Landschaft zum Teil im Schneckentempo voran. Nach 6 Stunden Busfahrt stehen wir am Eingang des Hotels Yak & Yeti in Kathmandu. Nun aber ganz schnell unter die Dusche. Am Nachmittag erledige ich noch ein paar Besorgungen in der Stadt.

23. Mai 2002

Stadtbesichtigung in Kathmandu

Den letzten Tag in Kathmandu nutzen wir für eine Stadtbesichtigung, sofern dieses in einem Tag überhaupt möglich ist. Für mehrere Teilnehmer ist es die erste Reise nach Nepal. Wir entscheiden uns für folgende Sehenswürdigkeiten:

Swayambunath - Stupa

Zuerst fahren wir zur Swayambhunath - Stupa. Swayambhunath liegt auf einem Hügel am Westrand der Stadt. Die allsehenden Augen Buddhas beobachten das Kathmandu - Tal. Der älteste Stupa in Nepal (5. Jh.) hat unter Buddhisten den gleichen Stellenwert wie Pashupati für Hindus. Im Gegensatz zur Bodnath - Stupa wird Swayambhunath auch von vielen Newa -Buddhisten verehrt und von Hindus besucht.

Stupa von Bodnath

Das buddhistische Heiligtum ist knapp 40 m hoch und hat am Sockel einen Durchmesser von 100 m. Es ist der größte Stupa in Nepal und einer der größten der Welt. Wahrscheinlich wurde er im 6. Jh. erbaut. Sein Aufbau ähnelt einem Mandala (Meditationskreis). Ursprünglich war der Stupa das Grabmal und heiliger Aufbewahrungsort der Reliquien des historischen Buddhas.

Bhaktapur - Stadt der Frommen

Die drittgrößte Stadt des Kathmandu-Tales ist Bhaktapur („Stadt der Gottergebenen"), auch Bhadgaon (Reisdorf) genannt. Sie liegt etwa 16 km östlich von Kathmandu an der alten Handelsstraße zwischen Indien und Tibet, welche auch heute noch als Lebensader durch die Stadt zieht. In der dicht besiedelten Altstadt wohnen etwa 50 000 Menschen, vor allem Newar-Hindus. Trotz ihrer eher städtischen Erscheinung sind es mehrheitlich Bauern.
Von allen drei Königssitzen des Tals ist Bhaktapur am wenigsten zersiedelt. Nur zaghaft sind Neubauten hinzugekommen und der motorisierte Verkehr muss noch weitgehend draußen bleiben. So bietet Bhaktapur auch heute noch das seltene Bild einer nahezu intakten mittelalterlichen Stadt.
Am Abend gehen wir gemeinsam in ein nepalesisches Restaurant und essen dort landestypische Speisen.

24. Mai 2002

Heimreise

Der Bus holt uns um 6:00 Uhr vom Hotel ab und bringt uns zum Flughafen. Wir müssen etwas mehr Zeit einkalkulieren, da die Sicherheitsvorkehrungen an den Zufahrtsstraßen zum Flughafen durch die jüngsten Anschläge der Maoisten verstärkt wurden. Wir kommen rechtzeitig am Flughafen an. Das Aufgeben des zahlreichen Übergepäcks ist nach einigen Verhandlungen kein wirkliches Problem. Jetzt müssen wir Abschied von Nepal nehmen. Für mich sicherlich nicht für immer.

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