Manaslu Tagebuch Teil 1
10. April 2002
Tag der Abreise
Viele Dinge sind noch bis zum Abflug um 22:45 Uhr vom Flughafen München zu erledigen.
Am frühen Morgen fahre ich noch einmal ins Büro (Multek) nach Böblingen um meiner Urlaubsvertretung die notwendigen Unterlagen zu übergeben und mich bei meinen Arbeitskollegen zu verabschieden.
Am Nachmittag wird nochmals die Ausrüstung überprüft und dann ist die Fahrt zum Flughafen München angesagt.

Hier trifft sich die ganze Expeditionsmannschaft und wir geben unser Gepäck gemeinsam auf. Beim einen Monat zuvor stattgefunden Teilnehmertreffen waren nicht alle Teilnehmer anwesend und so gibt es jetzt erst einmal ein grosses Hallo. Der Flug nach Kathmandu geht über Doha, wo die Maschine gewechselt wird. Wir starten wiedererwartend pünktlich.

11. April 2002
Regen in Kathmandu
Die Zwischenlandung in Doha lässt sich in den gut sortierten Duty-Free Shop gut aushalten und der eine oder andere Expeditionsteilnehmer deckt sich mit alkoholischen Getränken für die hoffentlich stattfindende Gipfelparty ein.

Gegen 16:00 Uhr setzen wir dann bei gedecktem Himmel und etwas Regen auf dem Rollfeld in Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal, auf. Der Transfer zum Hotel Yak & Yeti verläuft unproblematisch. Wegen befürchteter Anschläge muss der Busfahrer den unweit vom Hotel gelegenen Königspalasts jedoch großräumig umfahren.

Nachdem wir im Hotel unsere Zimmer zugewiesen bekommen haben überprüfe ich als erstes, meine in Nepal deponierte Ausrüstung auf Vollständigkeit. Alles ist wie erwartet vorhanden und ich kann die Ausrüstung entsprechend den Bedürfnissen bei der Anreise umpacken. Nachdem es in den letzten Tagen zu mehreren Anschlägen gegen Polizeieinrichtungen durch die Maoisten gekommen ist, hat sich Ralf Dujmovits für die Anreise bis Sama mit dem Hubschrauber entschieden. Daher wird nach der Landung in 3500 m Höhe sofort wärmere Kleidung benötigt und die kurzen Hosen können in den Seesäcken verbleiben.

12. April 2002
Postkasten schreiben
Am Vormittag versehe ich mein 150 Postkarten an Freunde, Geschäftspartner und Sponsoren mit Briefmarken und bringe diese anschließend zum Postamt. Damit die Postkarten dann auch wirklich von Kathmandu verschickt werden, bleibe ich solange auf dem Postamt, bis alle Karten von Hand gestempelt sind.
Für eine Stadtbesichtigung reichte die Zeit jedoch nicht mehr und so verbringe ich den Nachmittag noch mit kleineren Besorgungen. Bereits am nächsten Tag soll der Hubschrauberflug nach Sama stattfinden. Da aus Sicherheitsgründen nur jeweils 7 Personen im Hubschrauber befördert werden dürfen, teilen wir uns in drei Gruppen ein. Die erste Gruppe soll morgen um 6:00 Uhr starten und die beiden anderen jeweils im Abstand von zwei Stunden. Ich bin in der zweiten Gruppe und die Abfahrt zum Flug ist für 8:00 Uhr geplant.
13. April 2002
Hubschrauberflug nach Sama
Um 8:00 Uhr fahren wir mit einem Bus vom Hotel zum Flughafen. Die Zufahrtsstrasse zum Flughafen wird von starken Einsatzkräften abgesichert, aber wir kommen ohne Probleme zur Abfertigungshalle. Von der Wartehalle sehen wir den Hubschrauber, welcher gerade vom ersten Flug nach Sama zurückkehrt. Wir sind vom Zustand des Hubschraubers geschockt.

Er ist total mit unverbrannten Treibstoff und Öl verschmiert. Nachdem ich bereits einige Flüge mit diesem Typ von Hubschrauber (MI 17) hinter mir habe, weiß ich was ein solcher Hubschrauber alles leisten kann. Den ersten Flug hat er heute zumindest schon ohne Probleme hinter sich gebracht. Wir dürfen hier nicht unsere Sicherheits-Maßstäbe ansetzen, in den meisten Fällen ist ja auch alles gut gegangen.

Mit lautem Rattern heben wir um 9:00 Uhr vom Rollfeld ab. Eine Verständigung ist im Hubschrauber wegen des lauten Motorengeräuschs nicht möglich. Dafür können schöne Bilder von den Bergriesen durch die offenen Fenster gemacht werden. Der dominanteste Berg ist der 8167 m hohe Dhaulagiri. Nach einer Flugzeit von 45 Minuten taucht dann auch der Manaslu vor uns auf und wir landen oberhalb der Ortschaft Sama in 3500 m auf einer Alm.

Der Manasalu wirkt von hier aus gewaltig und wir versuchen die geplante Aufstiegsroute mit dem Fernglas zu erkennen. Zur besseren Akklimatisation wollen wir die nächsten Tage hier verbringen und so richten wir es uns gemütlich ein.
14. April 2002
Besuch im Basislager
Die frühen Morgenstunden nutze ich zum Fotografieren und nach dem Frühstück entscheide ich mich spontan zu einem Aufstieg ins Basislager. Die ersten hundert Höhenmeter geht es im Latschengelände nach oben. Hier staut sich bereits die Wärme und ich komme schnell ins schwitzen.

Der von früheren Expeditionen benutzte Lagerplatz in 4100 m lädt nicht gerade zum Verweilen ein und so steige ich schnell höher. Der weitere Aufstieg erfolgt nun zum größten Teil im Schnee und ist in dem sehr weichen Schnee recht mühsam.
Gegen Mittag erreiche ich das Basislager, welches komplett im schneebedeckten Gelände liegt.

Bei einer norwegischen Expedition werde ich zum Mittagessen eingeladen. Die nun vom Tal aufsteigenden Wolken verschlechtern die Sicht zusehends und ich beginne wieder mir dem Abstieg ins Tal.
Für den ersten Aufstieg in diese Höhe geht es mir recht gut und ich freue mich auf meinen warmen Schlafsack am Abend.
15. April 2002
Besuch im Kloster
Den wolkenlosen Vormittag nutzen wir für kleinere Ausflüge in die Umgebung. Am Nachmittag ziehen Wolken auf und gegen Abend ist es dann total verhangen.

Die Stimmung passt genau zum Besuch des Klosters in Sama. Hier lassen wir die Gebetsfahnen für die Zeremonie (Puja) im Basislager von einem Mönch weihen.

16. April 2002
Materialtransport zum Basislager
Im Morgengrauen stehen die ersten Träger aus dem Ort Sama in unserem Lager und versuchen die beste Last zu ergattern. Das Bild ist bunt gemischt - jung und alt - Männer und Frauen. Das Verteilen der Lasten zieht sich in die Länge.

Als dann junge Frauen mit 25 kg Lasten an uns vorüber ziehen, steigt unsere Hochachtung gegenüber ihnen ins unermessliche. Was bei uns undenkbar ist, ist hier leider Alltag. Eine andere Verdienstquelle gibt es nicht und so wollen Einwohner aus Sama möglichst viel tragen, damit Geld in die Familienkasse kommt. Der Bürgermeister überwacht das Treiben aufs genaueste und ihm entgeht nichts.
Vor dem Frühstück ziehen über 50 Lasten an uns vorüber. Der Rest der Ausrüstung soll morgen zusammen mit uns zum Basislager gebracht werden.

Wir versuchen unsere Akklimatisation durch Ausflüge auf die umliegenden Anhöhen nochmals zu verbessern. Ich besuche einen 4100 m hoch gelegenen Aussichtspunkt, von wo aus man einen tollen Ausblick auf den Manaslu hat.
17. April 2002
Ankunft im Basislager
Am frühen Morgen beginnen wir mit dem Aufstieg zum Basislager. Nach kurzer Zeit ist es jedoch schon sehr warum und uns fließt der Schweiß in Strömen herunter. Bei bestem Wetter erreichen wir das Basislager in 4750 m Höhe noch vor dem Mittag. Nun gilt es sich vor den intensiven Sonnenstrahlen zu schützen, insbesondere da der Schnee im Basislager zusätzlich reflektiert.

Ralf und die Hochträger sind bereits gestern hier eingetroffen und haben in der Zwischenzeit wirklich alle Hände voll zu tun gehabt. Das Küchenzelt und das Essenszelt ist bereits aufgebaut. Auch die Plattformen für unsere Zelte sind schon vorbereitet und wir müssen jetzt nur noch unser Zelt aufbauen. In den Zelten finden wir dann Schutz vor der intensiven Sonneneinstrahlung.

18. April 2002
Zeremonie im Basislager
Die ganze Nacht über hat es geschneit und so liegen am Morgen ca. 10 cm Neuschnee im Basislager. Wir haben schon befürchtet, dass die für heute geplante Zeremonie nicht stattfinden kann, da der Mönch nicht von Sama aufsteigen kann.

Aber weit gefehlt, der Mönch war pünktlich da und die Zeremonie, die sogenannte Puja, konnte wie geplant stattfinden. Durch diese Zeremonie sollen die Bergsteiger und Sherpas von Unheil bewahrt werden.

Wie bereits bei den anderen Expeditionen werden auch bei uns im Lager die Gebetsfahnen gespannt und zum guten Schluss prosteten sich alle zu, mit dem Spruch: "Viel Erfolg bei der Besteigung des Manaslu". Der Rest des Tages steht im Zeichen der Akklimatisation an die Höhe - ausruhen!
19. April 2002
Skiabfahrt
Durch den in der Nacht anhaltenden Wind ist der Schnee am Morgen hart gefroren und es sind nun die besten Verhältnisse für einen Aufstieg zum Lager I. Aber dazu sind wir zu kurz in dieser Höhe und so nutzen die Teilnehmer mit Ski, die Gelegenheit für eine Skiabfahrt. Die Schneeverhältnisse sind dazu ideal. Im Laufe des Tages erfolgt das Verteilen von Hochlagerausrüstung an die Teilnehmer. Alle sind schon sehr auf den Weg zum Lager I gespannt. Wie schwierig wird der Aufstieg sein? Die Antwort werden wir in spätestens zwei Tage wissen, denn zu diesem Zeitpunkt wollen wir zum Lager I aufsteigen.
Manaslu Tagebuch Teil 2
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