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Dienstag, 07 Sep 2010
YOU ARE HERE: Home Satopanth 2004 Tagebuch Teil 2
Satopanth Tagebuch Teil 2
Geschrieben von: Dieter Porsche   
Montag, den 26. Juli 2004 um 00:00 Uhr

Satopanth Tagebuch Teil 2

15.07.2004

Aufstieg vom Vorgeschobenen Basislager in Richtung Lager I

Um 4:00 Uhr ist wecken und um 6:00 Uhr Abmarsch geplant. Christian und ich haben zu dieser Zeit unser Zelt abgebaut und warten auf die anderen. Wir wollen extra früh an der Schlüsselstelle sein da hier mit Steinschlag zu rechnen ist. Mit einer halben Stunde Verspätung verlassen wir das Lager und der Weg führt uns zuerst über den Gletscher. Blankes Eis und viel Geröll und Steinblöcke machen den Aufstieg beschwerlich. Nach zwei Stunden stehen wir am Einstieg.

Das was wir dort sehen hatten wir uns so nicht vorgestellt. Der Aufstieg erfolgt im brüchigen Fels und zur linken erhebt sich eine mehrere hundert Meter hohe Felswand die sich bedrohlich über und neigt. Eine nicht gerade einladende Atmosphäre. Das heißt, möglichst schnell, diese gefährliche Passage hinter sich zu bringen. Zu allem Übel haben wir keine Steinschlaghelme dabei, da die notwendige Information im Vorfeld der Expedition nicht vorhanden war. Das lässt sich jetzt nicht mehr ändern und so muss das Beste daraus gemacht werden. Wir legen unsere Kletterausrüstung an und beginnen an den Fixseilen empor zu steigen. Einige Teilnehmer sind mit dem Aufstieg an Fixseilen noch nicht so vertraut und so dauert die Überwindung dieser Passage länger als geplant und immer wieder werden unvorsichtig Steine losgetreten die dann mit lautem Gepolter hinunterfallen und die sich noch unterhalb befindlichen Teilnehmer deshalb sich in Sicherheit bringen müssen. Alles in allem eine sehr ungute Situation aber daran war jetzt im Moment nichts zu ändern. Zwei Hochträger sind schon vorausgegangen und versichern den oberhalb der Felsen steilen Eisaufschwung. Hier müssen 100 m Fixseil nochmals überprüft werden bzw. die Verankerungen erneuert werden. Auch das beansprucht etwas Zeit und so gelangen jetzt die ersten Sonnenstrahlen in die Eisflanke was unweigerlich zu dem ersten Ausschmelzen der Steine führt. Christian und ich haben diese Stelle hinter uns gebracht als das Risiko für die Nachfolgenden zu groß wurde und Christian die anderen Teilnehmer zur Umkehr aufforderte. Bis hier her haben wir vier Stunden für den Aufstieg benötigt. Die zwei Hochträger, Christian und ich machten uns nun auf den Weg zum Lager I. Das Gelände ist nun flacher uns obendrein noch mit Spalten durchzogen, so dass wir gemeinsam am Seil gehen. Der Zeitbedarf von hier zum Lager I wurde von den Hochträgern mit 2 - 3.5 Stunden angegeben. Aber schon nach kurzer Zeit klagt Christian über starke Kopfschmerzen. Wir überlegen was wir tun sollen. Wir gehen noch ein Stück und dann muss sich Christian übergeben. Jetzt ist klar was zu tun ist - der sofortige Abstieg ist angesagt. Die Anzeichen waren aber nicht die wie bei einem Gehirnödem, trotzdem nimmt Christian vorsorglich Cortison. Ich nehme unseren Sauerstoff wieder mit hinunter um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Während des Abstieges durch die Felspassage verschlechtert sich sein Zustand weiter. Christian möchte jetzt aber keine weiteren Medikamente nehmen bis er wieder am Einstieg angelangt ist. Dort gebe ich ihm nochmals Cortison und eine Sauerstoffdusche von 8 l /min. Der Sauerstoff hilft im, aber bei einer Rücknahme auf 4 l /min verschlechtert sich sein Zustand wieder. Wir steigen langsam zum Vorgeschobenen Basislager ab. Zum Glück handelt es sich normales Gehgelände und wir kommen recht gut voran, geben aber vorsichtshalber nochmals eine weitere Cortison Tablette. Im Vorgeschobenen Basislager bekommt er nochmals Sauerstoff und ein extrem starkes Schmerzmittel gegen die Kopfschmerzen. Wir steigen weiter ab zum Basislager und kommen dort um 16:00 Uhr an. Christians Situation verbessert sich. Jedoch hat das Schmerzmittel nicht gewirkt und die Sauerstoffsättigung lag mit 82% im durchaus üblichen Rahmen. Am Abend klagt Christian über Gefühlsstörungen in Armen und Beinen, aber alle Dinge die wir mit unseren Mitteln kontrollieren können sind in Ordnung. Wir bieten ihm an, ihn in den Certec Bag zu legen, was er allerdings ablehnt. In der Nacht bleiben wir in permanentem Kontakt und es geht ihm wieder recht gut.

16.07.2004

Ruhetag im Basislager

Am frühen Morgen entscheidet sich Christian für den sofortigen Abstieg. Ich biete ihm an mit ihm abzusteigen oder zumindest jemand mit ihm mitzuschicken. Er meint, ihm geht es gut, nur die Gefühlsstörungen in den Händen und Füssen sind noch vorhanden und das beunruhigt ihn doch sehr. Er beauftragt mich vor seiner Abreise mich um die Expedition zu kümmern und das weitere Vorgehen mit allen Teilnehmern abzustimmen.

Diese Abstimmung kam dann nach dem Frühstück. Die Stimmung nach dem gestrigen Tag war schlecht und so war fast schon abzusehen, wie eine Abstimmung ausfallen würde. Es kommt dann wie es kommen musste. Nur vier Teilnehmer inklusive mir wollen die Expedition fortführen und der Rest entscheidet sich für abbrechen. Das Argument, dass ein Teil der Mannschaft macht weiter und der andere Teil beendet die Expedition wurde strikt abgelehnt.

Es wurde darauf bestanden, dass auch diejenigen Teilnehmer welche eigentlich die Expedition weiter machen wollen sich der Mehrheit unterordnen müssen.

Auch meine Hinweise, ob das nach dem Reiserecht überhaupt möglich ist, dass eine Mehrheitsentscheidung einen individuellen Vertrag außer Kraft setzen kann wurden ignoriert. Die Stimmung war aber kurz vor einem offenen Streit und so beugte ich mich zähneknirschend dieser Entscheidung. Auch mir war klar, dass mit einer solchen Stimmung keine Zusammenarbeit am Berg mehr möglich ist.

Christian hatte ein Funkgerät mitgenommen und so teile ich ihm die Entscheidung der Gruppe mit und bitte ihn die Rückflüge nach Möglichkeit um eine Woche auf den 25.07.2004 vorzuverlegen, so wie es der Wunsch der Mehrheit war. Die Funkverbindung war jedoch sehr schlecht, so dass ich nicht sicher war, ob Christian alles verstanden hat.

Morgen ist nochmals ein Aufstieg zum vorgeschobenen Basislager geplant um dort das verbleibende Material abzuholen. Schon hier bedurfte es einiger Überredungskunst dass noch mal alle aufsteigen, diejenigen die am Morgen noch lautstark für einen Abbruch waren hatten keine richtige Lust mehr aufzusteigen. Jedoch ist auch ein Abbruch mit weiteren Aufgaben verbunden und der Berg musste noch gesäubert werden.

Auch die Hochträger wollen mit aufsteigen um in den nächsten Tagen das Material von Lager I herunterzubringen.

17.07.2004

Aufstieg zum Vorgeschobenen Basislager

Gemeinsam steigen wir um 8:00 Uhr zum vorgeschobenen Basislager auf. Als wir an die Stelle kommen wo der Satopanth sichtbar ist, behindert keine Wolke die Sicht auf den Berg. Ein schöner Berg mit einer klassischen Aufstiegsroute. Anspruchsvoll und eine echte Herausforderung für einen erfahrenen Expeditionsbergsteiger. Mir tat es in der Seele weh, wenn ich daran denke, dass schon alles vorbei ist bevor wir richtig angefangen haben. Was haben wir eigentlich am Berg gemacht? Nach vier Stunden Aufstieg vom Vorgeschobenen Basislager war für die überwiegende Mehrheit klar, dass das nicht der richtige Berg für sie ist. Aber vielleicht besser jetzt die Entscheidung zu treffen und alle kommen wieder gesund nach Hause als dass wegen einer Selbstüberschätzung ein Unfall passiert. Warum die Mehrheit aber von den Ansprüchen dieses Berges so überrascht wurde, ist für mich nur auf die mangelnde Erfahrung an hohen Bergen zurückzuführen. Andere 7000er wie der Kan Tengri, Pik Korschenewskaja befinden sich hier auf ähnlichem Schwierigkeitsniveau.

Am Nachmittag entscheidet die Mehrheit, dass ich morgen zusammen mit dem Begleitoffizier absteige und mich um die Umbuchung der Flüge kümmere bzw. noch ein alternatives Besichtigungsprogramm auf die Beine stellen soll.

Ich packe daher meine Habseligkeiten zusammen und verpacke sie in meine Seesäcke.

18.07.2004

Trekking vom Basislager nach Gangordri

Am frühen Morgen schneit es zuerst und später geht es in Regen über. Aus diesem Grund verschieben wir unseren Aufbruch bis sich das Wetter gebessert hat. Zuerst geht es bis 4400 m entlang der Moräne und der Gletscher muss gequert werden. Diese Stelle ist in der Zwischenzeit richtig heikel geworden und ich bin froh, dass der Begleitoffizier einen Pickel dabei hat und wir damit Stufen in dem steilen Eis anlegen können. Der Weg zieht sich und wir legen an der Geltscherzunge eine Pause ein. Von hier sind es noch 20 km bis Gangotri. Wir bekommen langsam Plattfüße. Gegen 18:00 Uhr erreichen wir unser Ziel und haben heute Nacht wieder die Gelegenheit in einem Bett zu schlafen.

Wir treffen die Träger die unser Material vom Basislager abholen sollen und erteilen ihnen noch die letzen Instruktionen. Sie steigen morgen auf um rechtzeitig unser Gepäck bis zum 21.07.2004 um 12 Uhr in Gangodri zu haben. Das haben wir zuvor telefonisch mit der Welcome Tavel Agentur ausgemacht und da soll unser Bus hier in Gangodri stehen. Die erste Hürde ist somit genommen und unsere frühzeitige Rückreise nach Delhi sichergestellt.

19.07.2004

Fahrt von Gangodri nach Uttarkashi

Den ganzen Vormittag warten wir bis wir ein Taxi nach Uttarkashi bekommen. Gegen 11:00 Uhr ist es dann soweit und wir fahren mit einem voll besetzten Taxi zurück. Das Wetter ist sehr schön und wir genießen die Fahrt. Um 16:00 Uhr sind wir in Uttarkashi und gehen in dem gleichen Hotel wie bei der Anreise. Der Begleitoffizier und ich teilen sich ein Zimmer und unterhalten uns am Abend noch sehr lange. Wir verstehen uns in der Zwischenzeit schon sehr gut und so sind die Unterhaltungen sehr angenehm.

20.07.2004

Aufenthalt in Uttarkashi

Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Begleitoffizier zum Alpinzentrum der IMC und wir berichten dem leitenden Offizier den Verlauf der Expedition. Er bestätigt meinen Eindruck vom Berg, dass es kein Berg ist den man unterschätzen darf. Aber nach seiner Meinung sind in diesem Jahr sehr gute Bedingungen für eine Besteigung. Wir hatten uns bereits 2001 am Mount Everest kennen gelernt und waren gemeinsam am Berg unterwegs. Demzufolge war das Unverständnis über den Abbruch der Expedition an diesem Berg umso größer.

Am späten Nachmittag trifft unser Bus von Delhi kommend in Uttarkashi ein und will morgen weiter nach Gangodri fahren.

21.07.2004

Aufenthalt in Uttarkashi

Das Wetter ist wunder schön aber das Warten nervt und ist unangenehm. Wir schlagen den Tag tot und warten bis die Teilnehmer am Abend eintreffen. Als diese dann eintreffen gibt es kein Hallo wie man es üblicherweise erwarten würde, sondern sie haben mir in der Abwesenheit die Schuld für den Misserfolg in die Schuhe geschoben. Es ist ja immer schnell ein Schuldiger gefunden, besonders wenn man selbst nicht anwesend ist. Aber es ist heute ja modern, erst bei andern die Fehler zu suchen, als bei sich selbst.

22.07.2004

Rückfahrt nach Delhi

Der erste Teil der Fahrt ist noch angenehm, da die Temperatur noch nicht so hoch ist. Je näher wir Delhi kommen umso drückender ist die Temperatur und zum guten Glück springt der Motor für die Klimaanlage im Bus nach mehreren Versuchen wieder an. Improvisation ist einfach alles. Am späten Abend kommen wir in Delhi an und wir werden im Maidens Hotel untergebracht. Dieses Hotel wurde noch zur Kolonialzeit der Engländer erbaut und dementsprechend ist die Zimmerhöhe gewaltig.

Vor dem Hotel wird gerade die U-Bahn Station gebaut. Für eine solch große Stadt in absolutes Muss, da sonst die Verkehrsprobleme in der Zukunft nicht gelöst werden.

23.07.2004

Debriefing bei der IMC und Stadtrundfahrt

Am Morgen gehe ich mit dem Begleitoffizier zur IMC um die Expedition offiziell zu beenden. Hier habe ich Karen, die Leiterin einer Trekkinggruppe des DAV Summit Clubs getroffen. Irgendwie kam sie mir aber bekannt vor und wir stellten fest, dass wir zusammen am Pik Korschenewskaja und Pik Kommunismus waren. Wie klein ist doch die Welt der Expeditionsbergsteiger, überall trifft man bekannte Gesichter wieder. Am Nachmittag machen wir mit dem Bus eine Stadtrundfahrt und es ist beeindruckend wie unübersichtlich und überbevölkert die Stadt ist.

24.07.2004

Fahrt von Delhi nach Agrar

Nach dem Frühstück steigen wir wieder in den Bus um die siebenstündige Fahrt nach Agra zu beginnen. Gute zwei Stunden benötigen wir bis wir die Vororte von Delhi hinter uns lassen. Dann ändert sich die Landschaft und wir befinden uns in einer grossen landwirtschaftlich genutzten Fläche. Am späten Nachmittag erreichen wir dann Agra und nach dem Bezug des Hotels machen wir uns auf zur Besichtigung des Agra Forts. Eine riesige Festungsanlage in der einmal bis zu 20 000 Menschen gelebt haben. In der Abendsonne war auch die Stimmung passend, zu den roten Steinen, aus denen das Fort erbaut wurde. Später bin ich noch sehr lange mit der DAV Summit Club Trekking Gruppe in der Bar gesessen und wir habe viel Spaß miteinander gehabt.

25.07.2004

Taj Mahal und Rückreise

Nach dem Sonnenaufgang besichtigen wir das einmalig schöne Taj Mahal. Eine Anlage aus weißem Marmor. die einmalig in der Welt ist, und die den damaligen Herrscher an den Rand es Ruins gebracht hat. Die Beleuchtung ist in den frühen Morgenstunden besonders schön. Nachdem wir diese Anlage besichtigt haben, machen wir uns wieder auf den langen Rückweg. In Delhi gibt es nochmals ein Abendessen bevor wir zum Flughafen gebracht werden und unseren Heimflug antreten.

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Mit 8068 m ist der Hidden Peak, auch Gasherbrum I genannt, der elfthöchste Berg der Erde.

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