Nadelhorn
Das Nadelhorn über dem Normalweg
8./9. Juli 2006
Die Anreise nach Saas Fee zieht sich - viele Stunden auf der Autobahn! Wir kommen am frühen Nachmittag in Saas Fee an und stellen unsere Autos auf den großen Parkplatz ab. Der Aufstieg in der prallen Sonne fordert dann schon die ersten Schweißtropfen. Seit meinem letzten Aufenthalt auf der Mischabel Hütte ist der Weg zu Hütte verlegt worden. Ein eleganter Klettersteig entschärft nun die gefährlichen Stellen. Eine tolle Sache - wir genießen den Aufstieg.
Auf der Hütte sind nur sehr wenig Bergsteiger und so können wir es uns gemütlich machen. Nach dem reichlichen Abendessen gehen wir früh zu Bett, damit wir am nächsten Morgen gut herauskommen. Ein kurzer Weckruf und die Nacht ist vorüber! Schlaftrunken ziehen wir uns an und gehen zum Frühstück. Die meisten sind jedoch wortkarg und konzentrieren sich auf das Essen. Ich gehe kurz vor die Hütte und schaue mir das Wetter und das Thermometer an. Etwas unter dem Gefrierpunkt - toll!



Da sollten die Schneeverhältnisse gut sein. Nachdem sich alle vor der Hütte versammelt haben, gehen wir mit den Stirnlampen auf dem Moränenrücken neben dem Hohbalmgletscher bis zu einem ausgeprägten Platz in 3600 m Höhe.


Dort legen wir die Gurte und die Steigeisen an. Wir bilden zwei Seilschaften und gehen den Gletscher in nördlicher Richtung - mit Blick auf die Lenzspitze-Nordostwand - quer über den etwas steileren Firnhang zum Windjoch.



In der Zwischenzeit wird es hell und die umliegenden Berge sind nun sichtbar. Am Windjoch lösen wir die Seilschaften auf und machen eine kurze Pause. Zuerst geht es über einen breiten Firngrat nach oben. Der wird jedoch immer schmaler und steiler. Da der Felsgrat mit Neuschnee bedeckt ist, gehen wir unterhalb der Felsen im Firn.



Es stellt sich jedoch sehr schnell heraus, dass das keine gute Idee ist. Blankeis unter dem Neuschnee lässt den Aufstieg zu einem Abenteuer werden. Wir steigen nun zum Felsgrat hinauf. Ohne Sicherungsmöglichkeiten im zum Teil grundlosen Schnee war das schon eine Herausforderung und forderte den vollen Einsatz.



Ein Ausrutscher eines Teilnehmers lässt mir den Atem stocken - er reagiert aber richtig und konnte sich zu Stillstand bringen. Unverletzt! Alle erreichen den Gipfel und können die Aussicht von der winzigen Plattform aus genießen. Beim Abstieg wählen wir den Weg über den Felsgrat. Die verschneiten Felsen fordern aber die volle Aufmerksamkeit. Auch hier gibt es noch einen Abflug eines Teilnehmers. Er bleibt mit den Steigeisen am Felsen hängen und fliegt direkt mit dem Gesicht auf einen Felsen.


Überschlägt sich und saust am mir auf dem Firn vorbei. Auch er kann sich wieder zum Stehen bringen. Ich eile zu ihm - sein Gesicht sieht schlimm aus. Wir stillen die Blutungen und steigen dann langsam bis ins Windjoch ab. Dort werden die Wunden behandelt. Gemeinsam steigen wir dann zur Mischabel Hütte ab.
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