Pik Lenin Tagebuch Teil 2
09.08.2009
Erkundung des Basislagers (4395 m)
Gegen 6:00 Uhr ist eine wunderbare Morgenstimmung und der Pik Lenin wird vom Mondlicht erhellt. Keine Wolke behindert die Sicht und so mache ich ein paar Bilder und kehre danach wieder in meinem warmen Schlafsack zurück. Heute legen wir einen Ruhetag ein und können so lang in den Zelten bleiben, bis die Sonne die Zelte erreicht und es darin im Nu richtig warm wird.
Um 9:00 Uhr finden sich alle zum ersten Frühstück im Basislager ein und im Anschluss erkunden wir das weiträumige Areal der einzelnen Basislager, auf dem mehr als 100 Zelte stehen.



Vor allem die Zelte von Kari Kobler nehmen eine große Fläche in dem weitläufigen Basislager in Anspruch. Ihn selbst treffe ich leider nicht an, da er zu diesem Zeitpunkt im Lager II ist. Wir laufen noch bis zu dem Platz unterhalb der imposanten Nordwand des Pik Lenin, wo üblicherweise die Steigeisen angelegt werden und angeseilt wird.



Von unserem Basislager bis zu diesem Platz sind wir eine dreiviertel Stunde unterwegs, was beim Aufstieg nicht so ins Gewicht fällt, beim Abstieg jedoch schon an den Kräften zehren kann. Obwohl die Sonne gegen 11:00 Uhr erbarmungslos vom Himmel brennt, sind zu diesem Zeitpunkt viele Bergsteiger im Abstieg.

Eine Taktik, die ich auf jeden Fall vermeiden möchte, da der Schnee zu diesem Zeitpunkt bereits weich ist und dadurch unnötige Energie verbraucht wird. Nach der Rückkehr in unserem Lager und dem dürftigen Mittagessen (Krautsuppe) beginnen wir die Ausrüstung für den ersten Aufstieg zum Lager I zusammenzupacken. Die Einzelheiten werden besprochen und Stefan stellt die Seilschaften zusammen, die zukünftig über die Spaltenzonen bis zum Lager I gemeinsam gehen sollen. Bei uns ist die Seilschaft, bestehend aus Judith, Jerome, Tomas und mir bereits vorgeben.
10.08.2009
Erster Aufstieg zum Lager I (Linsenlager 5300 m)
Um 3:30 Uhr stehen wir auf und nach einem kurzen Frühstück geht es um 4:30 Uhr zum Einstieg unterhalb der Nordwand des Pik Lenin, den wir nach 45 Minuten erreichen.


Das erste Stück gehen wir noch mit der Stirnlampe aber bereits unterhalb der großen Spalte wird es hell. Ein wunderschöner Sonnenaufgang begleitet uns beim Aufstieg. Als uns die Sonne uns erreicht, wird es schnell unerträglich heiß und wir sind froh, als wir nach der letzten größeren Erhebung das Linsenlager vor uns sehen.



Nachdem es dort kaum noch freie Plätze für unsere Zelte gibt, entscheiden wir unser Lager unterhalb auf dem Gletscher aufzubauen. Um 9:30 Uhr sind wir an unserem Lagerplatz und beginnen unverzüglich die Zeltplattformen herauszuschaufeln.



Die enorme Hitze (40°C), ohne jegliche Windbewegungen, lässt den Schweiß in Strömen fließen. Für so manchen Teilnehmer ist diese Hitze mit der neuen Höhe zu viel. Sie müssen sich erst einmal ausruhen.



Um 12:00 Uhr treffen dann unsere Hochträger mit den Zelten ein. Wir stellen die Zelte auf und verankern sie so gut es geht in den aufgeweichten Schnee und steigen danach wieder zum Basislager ab.



Etwas müde erreichen wir um 15:30 Uhr unser Basislager und mit einem reichlichen Abendessen lassen wir unseren ersten Ausflugstag zum Lager I ausklingen.

11.08.2009
Erste Übernachtung im Lager I (Linsenlager 5300 m)
Die Gruppe von Stefan möchte erst morgen früh zum Lager I aufsteigen. Mir erscheint ein Aufstieg am Nachmittag sinnvoller, da das Aussitzen in dem unerträglich heißen Zelten im Lager I entfällt.



Daher verlasse ich mit meiner Gruppe um 16:00 Uhr das Basislager (4395 m) und erreichen etwa eine halbe Stunde später den Anseilplatz. Ein paar Wolken haben sich zwischenzeitlich vor die Sonne geschoben und so sind die Temperaturen erträglich.


Der Schnee ist von der Mittagssonne noch etwas weich, aber wir kommen gut voran. Wir kommen zügig voran, und als wir das Hochplateau vor dem Lager I erreichen, beginnt es aus dem zwischenzeitlich dunklen Wolken zu schneien. Wir machen noch eine letzte kurze Rast und versuchen danach das Lager I noch vor der Dunkelheit zu erreichen. Um 21:00 Uhr stehen wir vor unseren Zelten und verkriechen uns unverzüglich darin. Wir bereiten uns Teewasser, trinken ausreichend und ziehen uns dann in die Schlafsäcke zurück. Die ganze Nacht über geht ein starker Wind und unaufhörlich prasseln Schneekörner gegen das Zeltdach, was meinem gutem Schlaf nicht abträglich ist.
12.08.2009
Aufstieg in Richtung Lager II und Depot in 5700 m Höhe
Um 7:00 Uhr erreichen uns die ersten Sonnenstrahlen und wir beginnen mit dem Zubereiten des Frühstücks. Als wir eine Stunde später startklar vor den Zelten stehen, ist Stefan noch eine viertel Stunde vom Lager I entfernt.



Seine Gruppe ist wie vereinbart erst heute Morgen aufgestiegen. Wir beginnen jetzt mit dem steilen Aufstieg hinter dem Lager I. Wir benötigen etwa eine halbe Stundefür den steilen Hang, der bereits jetzt in der prallen Sonne liegt und vom Körper gleich zu Beginn eine Höchstleistung abverlangt. Obendrein ist in dem Steilhang keinerlei Windebewegung zu vernehmen, was sich auf der anschließenden Hochfläche schlagartig ändert. Hier weht ein eiskalter Wind und ich muss mir nach kurzer Zeit die Goretex-Hose überziehen. Die Aussicht von der Hochfläche ist grandios und in einer weiteren Stunde stehe ich vor dem steilen 400 m hohen Aufschwung, der zum Lager II hinaufführt. Jerome und Thomas sind noch ein ganzes Stück hinter mir. Judith ging es die Nacht nicht gut und sie wollte einen Tag später aufsteigen. Vor dem Steilaufstieg muss ich mir wegen der großen Kälte die Daunenjacke anziehen. Thomas geht es magentechnisch nicht gut und er wartet einige Zeit unter dem Steilaufschwung.

Ich steige noch 150 Höhenmeter nach oben und als auch Jerome nicht mehr weiter nach oben kommt, entscheide ich mich zur Umkehr. Wir deponieren die beiden Zelte, Kochausrüstung und eine Schaufel am Fuße des Steilaufschwunges für den nächsten Aufstieg. Gegen Mittag sind meine und Stefans Gruppe weitgehend komplett im Lager I versammelt. Gemeinsam wollen wir morgen zum Lager II aufsteigen, die Zelte aufstellen und eine Nacht dort verbringen. Leider hat heute meine Kamera ihren Dienst versagt und somit stehen nur begrenzt Bilder zur Verfügung.
13.08.2009
Erste Nacht im Lager II (6130 m)
Thomas hat sich von seinen Magenproblemen noch nicht erholt und entscheidet heute im Lager I zu bleiben.



Ich steige mit Judith und Jerome gegen 8:20 Uhr über die bereits bekannte Strecke bis zu unserem Depot hinauf.


Judith ist am Depot noch ein ganzes Stück hinter uns und so nehme ich ein Zelt und Jerome eine Kochausrüstung und eine Schaufel mit nach oben. Das zweite Zelt und den zweiten Kocher belassen wir im Depot.



Der untere Teil des steilen Aufstieges gehe ich in direkter Linie nach oben, weiter oben sind dann Spitzkehren angelegt, die den Aufstieg erheblich erleichtern. Oben auf der Kuppel befindet sich das terrassenförmig angelegte Zeltlager.



Die meisten Zelte sind mit einer hohen Schneemauer umgeben, die sie vor den starken Stürmen hier oben schützen soll. Die guten Plätze sind bereits alle vergeben und so müssen wir mit dem windausgesetzten Plätzen vorlieb nehmen. Nach einer Stunde habe ich die Zeltplattform herausgeschaufelt und das Zelt aufgestellt. Zu diesem Zeitpunkt erreicht auch Jerome das Lager und gemeinsam verankern wir das Zelt so, dass es auch einem Sturm standhält. Eine Schneemauer um das Zelt soll weitern Schutz vor dem Wind bieten. Im Anschluss schmelzen wir mehrere Liter Wasser, um das Flüssigkeitsdefizit auszugleichen.


Das Wetter ist gut und der Wind ist gering, sodass wir noch einen kleinen Spaziergang auf den Pik Rasdelnaya (6148 m) unternehmen. Die Sicht auf die eisbedeckten Bergriesen ist von hier oben gewaltig und auch die Aufstiegsroute auf den Pik Lenin ist gut einzusehen. Ein langer Weg, der eine große Portion Durchhaltevermögen verlangt und bei dem gutes Wetter zwingend notwendig ist. Stefan trifft kurz vor dem Dunkelwerden im Lager ein, nachdem er wegen Magenproblem bis am Nachmittag in Lager I geblieben ist. Er berichtet, dass Judith wieder zurück zum Lager I und Thomas ins Basislager gegangen ist. Die Nacht verläuft bis auf den ständigen Wind ruhig und es ist auch nicht übermäßig kalt.
14.08.2009
Abstieg ins Basislager (4395 m)
Kurz nach 6:00 Uhr wird es hell, aber wir warten mit dem Zusammenräumen der Ausrüstung, bis die ersten Sonnenstrahlen das Zelt erreichen und dadurch die Temperaturen erträglicher sind. Eine halbe Stunde später ist unser Zelt leer und wir beginnen unverzüglich mit dem Abstieg.



Gegen 9:00 Uhr sind wir bereits wieder im Lager I. Judith ist bereits alleine abgestiegen und nach einer kurzen Pause steigen wir in einer 4er Seilschaft in der sengenden Hitze hinunter zum Basislager, wo wir gegen 12:00 Uhr ankommen.



Wir trinken erst einmal reichlich und genehmigen uns danach eine gründliche Körperreinigung, die auch ohne das zugesagte Duschzelt ganz gut zu bewerkstelligen geht. Schnell wird der Wunsch nach einem Bier laut und die Küchenmannschaft organisiert von den umliegenden Expeditionen ein paar Dosen von dem begehrten Getränk.



Nach dem ekelhaft schmeckenden Wasser und dem Tee in den Hochlagern eine willkommene Abwechslung. Zwei Stunden später treffen auch Stefan und seine Truppe im Basislager ein. Am Abend holt Stefan den aktuellen Wetterbericht von Karl Gabel in Innsbruck ein. Demnach soll in den nächsten beiden Tagen eine flache Störung unser Gebiet überqueren und etwas unbeständigeres Wetter bringen.

Am Abend zeigt sich der Pik Lenin in einem fantastischen Abendlicht und ist so klar wie noch nie zuvor zu sehen. Ein deutliches Zeichen für eine nahende Kaltfront. Nach dem Abendessen sitzen wir noch einige Zeit zusammen und unterhalten uns über die Ereignisse am Berg.
15.08.2009
Ruhetag im Basislager (4395 m)
Wir haben wunderbar in der Nacht geschlafen und werden mit einem wolkenlosen Himmel geweckt. Ein Bilderbuchwetter, das die Strapazen der vorausgegangen Tage in den Hintergrund verdrängt und den Körper schnell regenerieren lässt. Gegen Mittag trifft unser Getränkenachschub ein, sodass wir für die Ruhetage ausreichend mit Cola, Fanta, Wasser und Bier versorgt sind.Am Nachmittag ziehen die ersten Wolken auf und der Wind frischt auf. Das unbeständige Wetter kündigt sich jetzt doch an und wir sind froh, dass die Hochlager bereits eingerichtet sind. Nach dem Abendessen sitzen wir noch lange zusammen und zur späten Stunde ist dann ein fantastischer Sternenhimmel zu sehen.
Pik Lenin Tagebuch Teil 3
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