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Mittwoch, 08 Sep 2010
YOU ARE HERE: Home Pik Lenin 2009 Tagebuch Teil 1
Pik Lenin Tagebuch Teil 1
Geschrieben von: Dieter Porsche   
Sonntag, den 30. August 2009 um 00:00 Uhr

Pik Lenin Tagbuch Teil 1 

02.08.2009

Flug nach Bishkek (750 m)

Um 9:30 Uhr fahren Judith, Jerome und ich mit der S-Bahn nach Stuttgart, wo es dann mit dem ICE zum Flughafen Frankfurt geht. Das umfangreiche und schwere Gepäck ist im Zug nur sehr schwierig zu verstauen und so bleibt uns nichts anderes übrig, als es auf den Gängen abzustellen, was wiederum das Durchkommen der anderen Fahrgäste und des Zugpersonals erschwert.

Schnell vergeht die Zeit und am Flughafen treffen wir Thomas, der Vierte im Bunde.

Abfahrt mit der S-Bahn von Böblingen

Thomas mit Frau Manuela und Freunde am Flughafen

In gemütlicher Runde am Flughafen

Seine Frau Manuela und sein Sohn Ricky haben ihn mit dem Auto zum Flughafen gebracht. Seine unerwartet angereisten Freunde aus dem Ruhrgebiet bereiten ihn eine besondere Freude. Wir trinken noch etwas zusammen und geben dann unser Gepäck am Schalter der Aeroflot auf. Obwohl wir ein paar Kilo Übergepäck haben, gibt es keine Probleme bei der Abfertigung.

In Moskau warten wir auf den Anschlussflug

Judith und ich in Moskau

Pünktlich hebt die Maschine kurz nach 14:00 Uhr von der Landebahn ab und wir fliegen zuerst nach Moskau, wo wir nach dreieinhalb Stunden Flugzeit landen. Die drei Stunden Aufenthalt am Fughafen vergehen schnell, da wir hier auf die DAV Summit Club Gruppe unter der Leitung von Stefan Bitriol treffen, mit der wir zum Berg anreisen. Der Anschlussflug nach Bishkek geht dann um 22:00 Uhr Ortszeit von Moskau.

03.08.2009

Rasante Fahrt nach Osh (1500 m)

Gegen 5:00 Uhr landen wir in Bishkek, der Hauptstadt von Kirgisistan. Die örtliche Agentur, die vom DAV Summit Club beauftragt wurde, hat fünf ältere Mercedes T-Modellen vor dem Flughafen bereitgestellt, die uns nach Osh bringen sollen.

Die Befestigung des Auspuffs ist defekt

Die Straßen sind gut und es fahren kaum Autos

Am 3184 m hohen Ala-Bel Pass

Die Straßen sind in diesem Abschnitt noch gut ausgebaut. Allerdings müssen mehrere Gebirgsketten überwunden werden und dementsprechend sind die Straßen teilweise sehr kurvig und manchmal schlecht einzusehen. Die Fahrer beeindruckt das nicht sonderliche und sie liefern sich regelrechte Straßenrennen. Jeder möchte der Schnellste sein, was unweigerlich einem Fahrstiel wie auf dem Hockenheim oder dem Nürburgring ähnelt. Nach einiger Zeit haben wir uns daran gewöhnt und wir hoffen, dass sie wissen was sie tun und sich nicht überschätzen. Nach zwei Stunden geht es über den 3184 m hohen  Ala-Bel Pass, auf dessen höchsten Punkt sich ein langer unbeleuchteter Tunnel befindet. Am Tunneleingang ist noch herrlicher Sonnenschein und am Ausgang sind wir im Stau der Wolken und es ist unangenehm kühl. Hinter dem Pass durchfahren wir einen Landstrich mit wüstenartigem Charakter mit entsprechend hohen Temperaturen, die uns einen Vorgeschmack geben, was wir möglicherweise noch zu erwarten haben. Nach weiteren drei Stunden flotter Fahrt schlängelt sich die Straße entlang des riesigen Stausees Toktogul, an dem wir mehr als eine Stunde entlang fahren.

Die Straßen scheinen nirgendwo zu Enden

Einzelne Jurten am Straßenrand

Restaurant in dem wir einkehren

Gegen Mittag ist es unangenehm heiß und neben den Straßen sind nur noch vereinzelt Jurten, an denen landwirtschaftlichen Produkte und Getränke am Straßenrand angeboten werden. In einem netten Restaurant am Wegesrand machen wir eine Mittagspause.

2Allen schmeckt das Mittagessen gut

Im Anschluss geht es in dem inzwischen gewohnten Tempo weiter durch die endlose Landschaft und die Ortschaften Kara-Kul, Tas-Kömür und Dzalal-Abad, wo wir nochmals eine klein Pause einlegen. Schließlich nach etwa 12 Stunden Fahrzeit und  650 km Strecke erreichen wir Osh am späten Abend. Geld wechseln ist heute nicht mehr möglich, da die Wechselstuben schon geschlossen haben. Auch unsere Briefmarken für die Postkarten können wir nicht besorgen, da alle Geschäfte schon geschlossen haben.

04.08.2009

Staubige Fahrt nach Ashik Tash (3700 m)

Um 4:00 Uhr ist die Nacht für uns vorüber und nach einem dürftigen Frühstück starten wir mit zwei Bussen in Richtung Ashik Tash Lager, das von Osh 230 km entfernt ist.

Der hochmoderne Bus mit dem wir nach Osh fahren

Jeder sucht sich möglichst einen guten Platz im Bus aus

In der hintern Bank ist noch ein guter Platz für mich

Beim ersten Streckenabschnitt über den Ciyrcik-Pass 2706 m und den 3615 m hohen Taldyk–Pass kommen wir nur quälend langsam voran, was zum einen am Straßenzustand und zum anderen am untermotorisierten Bus liegt. Eine Reifenpanne zwingt uns zusätzlich zu einer längeren Pause, da zuerst ein Reservereifen mit der falschen Felge montiert wird und diese prompt an der Bremse streift.

Hier werden die tierischen Produkte neben der Straße verarbeitet

Kleine Ortschaft am Wegesrand

Reifenpanne

Auf der Passhöhe des Taldyk–Passes befindet sich die Statue eines Schneeleoparden der in die Richtung des Pik Lenin schaut. Der Pik Lenin ist heute allerdings hinter den Wolken versteckt und so fahren wir nach einem kurzen Stopp auf der Passhöhe weiter.

Der Taldyk-Pass

Schneeleopard

Stopp wegen Strengarbeiten

Die gesamte Strecke ist eine einzige Baustelle und so müssen wir kurz darauf wegen Sprengarbeiten einen erneuten Stopp einleben. Nachdem wir dem Gebirgszug überwunden haben, wird die Straße immer staubiger und in kürzester Zeit ist im Bus alles mit einer dicken Staubschicht überzogen. Bei der Ortschaft Sary-Mongol biegt der Bus dann von der befestigten Straße ab und quält sich über eine unbefestigte Straße mit tiefen Furchen in Richtung Gebirge nach oben. Es müssen vereinzelt Bachbette durchfahren werden, die jedoch alle Niedrigwasser haben und somit kein Problem darstellen. Das Gebirge rückt jetzt immer näher und nach einer Stunden Fahrt auf der unbefestigten Straße erreichen wir das Ashik Tash Lager nach einer Gesamtfahrzeit von 10 Stunden. In diesem Lager war ich bereits 1994 zur Akklimatisation auf dem Weg zum Basislager des Pik Kommunismus. Von dem regen Treiben von damals ist nichts mehr zu spüren, in dem „International Mountaineering Camp“ sind wir die einzige Gruppe, wo einst mindestens hundert Bergsteiger in vielen Zelten untergebracht waren.

Stefan ist froh, dass wir im Ashik Tash Lager sind

Damals wurden die Bergsteiger mit dem Hubschrauber eingeflogen, heute ist die Anreisen mit dem Auto üblich. Von den einstmals guten Zeiten ist nicht viel geblieben und so ist es nicht verwunderlich, dass die Gebäude in der Zwischenzeit etwas heruntergekommen sind. Eine Generalsanierung wäre hier dringend notwendig. Dafür ist die Landschaft um das Lager herum einfach fantastisch und der die Sicht auf dem Pik Lenin und die Nachbarberge gewaltig. Bei unserer Ankunft hüllt sich der Pik Lenin allerdings in Wolken und so müssen wir uns noch etwas gedulden, bis wir ihn sehen können.

05.08.2009

Überprüfung der Ausrüstung in Ashik Tash (3700 m)

Am Morgen regnet es etwas und so beginnen wir mit der Überprüfung der Zelte und der Gruppenausrüstung im Speiseraum.

Überprüfung der Zelt im Speiseraum

Die Ausrüstungslisten müssen auf den aktuellen Stand gebracht werden

Küchenausstattung

An den meisten Zelten müssen die Abspannschnüre ersetzt werden, da sie bei früheren Einsätzen offensichtlich abhandengekommen sind oder abgeschnitten wurden.

Sie Spüle in der Küche

2Die Unterkünfte im Ashik Tash Lager

Verhandlungen mit der Dolmetscherin in der Chefin

Bei Sturm können diese in den Hochlagern kaum noch angebracht werden und so muss jetzt mit entsprechender Sorgfalt gearbeitet werden.

Ausbildung am Überducksack 

Wie ging das noch?

Jetzt muss der Druck doch stimmen oder?

Am Nachmittag stellen wir die Verpflegung für das Basislager und der Hochlager sowie die persönliche Ausrüstung zusammen, die mit Pferden und Eseln transportiert werden.

06.08.2009

Akklimatisationstour zum Pik Petrowskije (4400 m)

Ein wunderschöner Sonnenaufgang lässt uns heute Morgen schon um 6:00 Uhr aufstehen.

Der Pik Lenin am frühen Morgen

2Der imposante Gipfelgrat des Pik Lenin

Die Zwiebelwiese und der Pik Lenin

Judith und ich gehen sofort in Richtung Zwiebelwiese, um einen Blick zu unserer Aufstiegsroute oberhalb von Lager II am Pik Lenin werfen zu können. Was ich sehe, bestätigt meine Informationen, dass die Route sehr lang ist und einiges an Durchhaltevermögen verlangt.

Judith ist schon richtig begeistert von dem Berg

Hier gibt es auf jeden Fall den Getränkenachschub

2Jurten in Ashik Tash

Wir drehen nach einer Stunde um und kehren zurück zum Ashik Tash Lager, wo wir gerade rechtzeitig zum Frühstück eintreffen.

Blick hinaus ins Flachland

2Der lange Grat zum Pik Petrowskije

Unser Unterkunft im Ashik Tash Lager

Gegen 9:30 Uhr starten wir dann zu unserer erste Akklimatisationstour über den langen Rücken des Pik Petrowskije bis zu einer Höhe von 4400 m Höhe, von wo aus ein Weiterkommen nur mit Steigeisen möglich ist.

Blumen auf dem Grat

Blumen auf dem Grat

Blumen auf dem Grat

Nach einer längeren Pause steigen wir um 13:30 Uhr über einer steilen Schuttrinne hinunter zum Ashik Tash Lager.

 Bald sind wir am höchsten Punkt am Grat

Tiefblick auf unser Lager

Rasanter Abstieg im Schutt

Ein schöner Ausflug, welcher zur Anpassung an die Höhe zwingend notwendig ist und den wir beim Besuch der Sauna schnell wieder von seiner guten Seite sehen, selbst wenn es für den einen oder anderen doch etwas anstrengend war.

07.08.2009

Akklimatisationstour zum Putischestwennikow Pass, auch „Mehlpass“ genannt (4100 m)

Nach dem Frühstück gehen wir über die Zwiebelwiese bis zum Beginn eines Felskammes, auf dessen rechte Seite sich ein Tal erstreckt, in dem wir nach oben steigen.

Unsere Unterkünfte

Stefan ist immer gut gelaunt

Auf dem Weg zum 'Mehlpass'

Ein schöner Wasserfall, gleich zu beginn des Tales, ist ein willkommenes Fotomotiv. Ein steiler Weg, der in Spitzkehren nach oben zieht, bringt uns schließlich zum Putischestwennikow Pass (4100 m), von dem aus wir allerdings die Aufstiegsroute am Pik Lenin noch nicht einsehen können.

Der Weg hinauf zum 'Mehlpass'

Mühsam geht es hinauf zum 'Mehlpass'

Staubig und steil ist der Weg zum 'Mehlpass'

Daher steigen wir auf dem Gratrücken bis auf eine Höhe von 4300 m, von wo aus wir eine einmalig schöne Aussicht haben. Hier bleiben wir eine Stunde und treten dann den Rückweg an.

Judith auf dem Gratrücken zu dem Aussichtspunkt

Unsere kleine Gruppe - Judith, Jerome, Thomas und ich

Alle Teilnehmer des DAV Summit Clubs

Als wir am Ende der Schlucht eine Pause einlegen, stockt uns der Atem, als wir miterleben, wie ein Kleinbus den Hang herunterstürzt und unten zerschellt. Im Eilschritt laufen wir zum Unfallort um zu sehen ob jemand zu Schaden gekommen ist.

Kleiner Bach neben dem Weg

Der abgestürzte Kleinbus

Simon ist zufrieden

Glücklicherweise ist niemand im Bus gesessen und so ist nur Sachschaden entstanden. Das Fahrzeug hat sich selbstständig gemacht, als der Fahrer danebenstand. Er musste machtlos zusehen, wie sich das Gefährt wie von Geisterhand selbstständig gemacht hat und den Abgrund hinunter rollte. Auf dem Rückweg zum Ashik Tash Lager machen wir noch einen Stopp an ein paar Jurten und decken uns mit Getränken ein.

08.08.2009

Anreise zum Basislager (4395 m)

Vom Ashik Tash Lager (3700 m) fahren wir zuerst ein Stück mit dem Bus über die Zwiebelwiese bis zum Ende der Fahrstraße.

Wir verlassen das Lager in Ashik Tash

Auf der Zwiebelwiese endet die Busfahrt

Stefan am 'Mehlpass'

Von dort steigen wir gemütlich hinauf zum Putischestwennikow Pass (4100 m), von wo aus wir eine grandiose Aussicht auf den Pik Lenin haben. Von der Passhöhe geht es dann etwa 400 m hinunter zum Gletscher, dem wir auf einem abschüssigen Weg eine geraume Zeit bis zu einer interessante Bachquerung folgen.

Talisman von Thomas

Abschüssiger Weg entlang des Gletschers zum Basislager

Weg oberhalb des Gletschers zum Basislager

Der Bach muss entweder mit Springen von Stein zu Stein oder mit durchwaten überwunden werden. Jeder hat hier sein eigenes Rezept und so gibt es ausreichend Gelegenheit die einzelnen Techniken fotografisch festzuhalten.

Blumenwiese

Blumen

Thomas bei der Bachüberquerung

Im Anschluss führt der Weg nochmals steil nach oben auf die Moräne des Lenin-Gletschers, auf der die örtliche Agentur bereits das Küchenzelt und die Essenszelte in 4395 m Höhe errichtet hat. Die Lage des Basislagers hat Vor– und Nachteile.

Stefan beim Sprung über den Bach

Das Küchenzelt und die Essenszelte sind bei unserer Ankunft schon aufgebaut

Thomas beim Reitunterricht

Der entscheidende Vorteil ist, dass die Zelte nicht direkt auf dem Gletscher stehen, der große Nachteil ist jedoch die große Entfernung zum Berg. Kein anderes Lager ist so weit entfernt von der Aufstiegsroute wie unseres. Als unser Gepäck mit Esel und Pferde im Basislager eintrifft, beginnen wir sofort mit dem Aufbau unserer Zelte und richten uns häuslich ein.

Das Zelt steht, jetzt kann es losgehen!

Ein schöner Sonnenuntergang beschließt den ersten Tag in unserem Basislager. Leider wird der Pik Lenin dabei nicht komplett von den Wolken freigegeben.

Pik Lenin Tagebuch Teil 2

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