Nach einer erholsamen Nacht ohne Schnarcheinlagen werden wir um 3 Uhr von der Hüttenwirtin geweckt. Zum Frühstück gibt es frisch gebackenes Brot, Müsli und Orangensaft, ein Novum in dieser Höhe.
Wir verlassen die Hütte als Erste und steigen im Lichtkegel der Stirnlampen eine gute halbe Stunde über die Moräne zum Festigletscher. Der Weg auf dem Gletscher ist nun in der Nacht doch nicht mehr so eindeutig wie ich das mir gestern vorgestellt habe. In 3300 m Höhe stehen wir dann vor einem Gletscherabbruch und tiefen Spalten. Also ziehen wir die Steigeisen an und überwinden die Steilaufschwünge mit sauberer Steigeisentechnik. Nach dieser kurzen Steileisklettereinlage gelangen wir in das eigentliche Gletscherbecken. Wir seilen uns an und setzen den Aufstieg in gleichmäßigem Tempo fort. Nach einer weiteren Stunde kommen wir in die Nähe des Fetijochs und suchen in der Dunkelheit den vermeintlich tiefsten Punkt.
Ca. 40 Bergsteiger suchen den angeblich markierten Einstieg, können ihn aber nicht ausfindig machen. Die Seilschaften versuchen an verschiedenen Stellen nach oben zu kommen, müssen jedoch alle wieder absteigen weil kein geeigneter Weg vorhanden ist. Als es zu Dämmern beginnt ist der logische Aufstieg jedoch einfach zu finden. Eine Markierung ist nicht vorhanden, aber ein blaues Fixseil ist am Einstieg angebracht und entschärft die Aufstiegsroute (II) zum Joch.


Oben am Joch erinnern Kreuze und Gedenktafeln an die verunfallten Bergsteiger am Festiggrat. Ich bin gespannt was uns an dem Grat erwartet.


Nach einem kurzen Abstieg im Fels sind wir am Einstieg zum Festigrat der in östlicher Richtung beginnt. Schon nach wenigen Metern auf dem Grat ist klar, dass wir heute optimale Schneebedingungen haben und somit der Aufstieg in den ca. 45° steilen Gelände gefahrlos möglich ist.


Ungefähr die Hälfte des Grates müssen wir noch im Schatten aufsteigen bis wir gegen 8 Uhr die ersten wärmenden Sonnenstrahlen genießen können. Sofort legen wir eine Fotopause ein um die Morgenstimmung festzuhalten.


Vor hier aus ist nun auch die gesamte Aufstiegsroute zum Gipfel einzusehen.


Drei weitere Aufschwünge liegen noch vor uns bis wir an dem Punkt ankommen, wo die Normalroute und der Festigrat zusammentreffen.


Die Normalroute führt über den Hohberggletscher und zum Teil steil über die Nordwestflanke. Noch eine letzte Anstrengung und wir erreichen das kleine Firnplateau vor dem eigentlichen Gipfel.


Hier sind bereits mehrere Bergsteiger die gerade ihr Gipfelfoto machen. Von dem Plateau aus führt ein kurzer ausgesetzter Firngrat zum Gipfelkreuz des Doms.


Bei schlechten Verhältnissen durchaus eine Herausforderung, heute jedoch ein Genuss. Bei wolkenlosem Himmel sind einige 4000er wie das Matterhorn, die Mischabelkette und das Montblanc Massiv gut sichtbar.


Nach kurzer Rast machen wir uns an den Abstieg über die Normalroute. Im Gletscherbecken des Hohberggletschers brennt die Sonne erbarmungslos und wir versuchen so schnell wie möglich diesen Abschnitt hinter uns zu bringen.


Kurz vor dem Festijoch führt die Spur in einem weiten Bogen um eine Serakzone und dann in einem kurzen Gegenanstieg hinauf zum Joch.


Hier gönnen wir uns eine längere Pause um dann den Abstieg über unsere Aufstiegsroute zurück zur Domhütte fortzusetzen.


Die Steilstufe am Gletscherabbruch können wir nun auch elegant umgehen und kommen so recht flott um 14:30 Uhr zur Hütte.


Nach kurzer Rast beginnen wir mit den nicht enden wollenden Abstieg ins Tal.