Pik Pobeda Tagebuch Teil 2
02. August 2006
Kraftraubender Aufstieg zum Lager III
Bei sehr schönem Wetter wühlen wir uns durch den grundlosen Schnee hinauf zum Dihiy-Paß und anschließend über mehrere bis zu 45 Grad steile Aufschwünge zum Lager III. Dort angekommen machen wir zuerst einmal eine Erholungspause. Dimar zeigt mir anschließend wie eine Schneehöhle mit einem Zeitaufwand von 4 Stunden hergestellt wird und befördert dabei riesige Schneemassen aus der Schneehöhle heraus. Wir richten uns den Innenraum so wohnlich wie nur möglich ein. Ich bin froh als wir es uns endlich in der geräumigen Schneehöhle gemütlich machen können.
03. August 2006
Schneetreiben verhindert einen Abstieg von Lager III
Bereits in der Nacht beginnt es zu Schneien und ein starker Wind lässt die Sicht auf wenige Meter schrumpfen. An einen Abstieg ist unter diesen Bedingungen nicht zu denken und so verbringen wir den Tag in der Schneehöhle. In regelmäßigen Abständen muss der Eingang freigeschaufelt werden damit ein Sauerstoffaustausch möglich ist.
04. August 2006
Der Schneesturm will nicht aufhören
Die anhaltenden Schneefälle lassen den Neuschneezuwachs in bedenkliche Höhe klettern. Trotz der akuten Lawinengefahr besteht für die Schneehöhle keine Gefahr. Ein Abstieg ist aber bereits jetzt zu riskant und so vertreiben wir uns die Zeit mit Schnee vom Eingangsbereich zu schaufeln und zu Kochen. Mit jedem Tag in dieser Höhe verbessern wir unsere Akklimatisation. Dimar war bereit wenige Tage zuvor auf dem Kan Tengi und ist somit erheblich besser akklimatisiert als ich.
05. August 2006
Abstieg vom Lager III ist nicht möglich
Am Morgen schneit es immer noch und jetzt liegt bereit über 1 Meter Neuschnee. Selbst im Basislager wird eine Schneehöhe von 50 cm erreicht und verdeutlicht den Ernst der Lage. Am Nachmittag stellt sich dann eine Wetterbesserung ein und wir hoffen sehr, dass morgen der Abstieg möglich ist.
06. August 2006
Gefährlicher Abstieg vom Lager III
Am frühen Morgen beginnen wir mit dem Abstieg. Wir sichern uns mit dem Seil um bei einem Lawinenabgang nicht in die Tiefe gerissen zu werden. An den Steilstücken sind die Schneemassen glücklicherweise bereits durch Selbstauslösung abgegangen und so ist zumindest dort die Gefahr etwas entschärft. In 4 Stunden wühlen wir uns hinunter bis zum Lager II. An ein Weiterkommen in dem tiefen Schnee ist heute nicht zu denken und so verbringen wir die kommende Nacht hier. Wir hoffen, dass morgen Früh die Schneedecke gefroren ist und wir dann ohne allzu große Kraftanstrengung absteigen können.
07. August 2006
Langer Weg zurück in Basislager
Um 3:00 Uhr machen wir uns für den Abstieg bereit. In der Dunkelheit steigen wir das erste Stück mit Stirnlampen ab. Durch den nächtlichen Frost hat sich ein tragfähiger Deckel über dem Schnee gebildet und wir kommen zügig voran. Als wir die Spaltenzone erreichen, warten wir sicherheitshalber bis es hell wird um nicht in einen der schwarzen Abgründe zu landen. Der Weiterweg durch den Eisbruch bis zur Abseilstelle ist äußert schwierig zu finden und so sind wir froh als tschechischen Bergsteiger zu uns stoßen. Diese Bergsteiger hatten die Abseilstelle vor Tagen eingerichtet und so ist die Suche nach der besagte Stelle erheblich einfacher. Dort angekommen überprüfen wir die Fixierung der Seile bevor wir in der luftigen Passage abseilen. Alle sind ersichtlich erleichtert als wir unten ankommen und die Eisschlag gefährdete Zone verlassen haben. Im Lager I angekommen machen wir uns erst einmal einen Tee bevor wir uns auf den langen Weg zum Basislager begeben. Auf dem frisch verschneiten Gletscher ist die Wegefindung äußerst schwierig da unsere Markierungen kaum noch zu erkennen sind. Auf der haben Wegstrecke zum Basislager kommen uns dann Bergsteiger entgegen und wir können nun in ihren Spuren absteigen. Das Wetter verschlechtert sich erneut und wir sehen beim Eintreffen im Basislager aus wie Schneemänner.
08. August 2006
Erholung im Basislager
Nach der erholsamen Nacht ist am Morgen das Wetter wieder sehr schön und der Hubschrauber bringt eine neue Trekking Gruppe. Die Neuankömmlinge werden freundlich begrüßt und anschließend die neuesten Nachrichten ausgetauscht. Das schöne Wetter wird zum trocknen der Ausrüstung genutzt. Gegen Abend ist dann noch ein feucht fröhliches Beisammensein angesagt bei dem erhebliche Mengen Wodka getrunken werden.
09. August 2006
Musikalischer Abend im Basislager
Ausruhen und Lesen sind heute meine Aktivitäten. Erst am Nachmittag kommt dann richtig Leben ins Basislager. Mehrer bekannte Bergsteiger sind heute Morgen angekommen und die feiern ihr Wiedersehen mit musikalischen Darbietungen, die dann mehr oder weniger schön bis zum nächsten Morgen andauern.
10. August 2006
Rucksack wird für den Gipfelanstieg gepackt
Am Morgen beginnen wir mit dem Zusammenstellen der Ausrüstung für unseren Gipfelanstieg. Immer wieder wird der Rucksack auf den Kopf gestellt, da einfach nicht die ganze Ausrüstung darin Platz findet. Schlussendlich haben wir alles für die 10 tätige Tour zusammengestellt. Das Gewicht der Rucksäcke pendelt sich zwischen 25 und 30 kg ein. Zum Abschluss gehen wir am Abend noch in die Sauna und schlafen danach sehr tief.
11. August 2006
Langer Weg über den Gletscher zum Lager I
Der Weg zum Lager I ist uns in der Zwischenzeit schon sehr gut vertraut, aber die schweren Rucksäcke plagen uns sehr. Wir laufen langsam damit wir unsere Energie nicht schon hier unten verbrauchen. Als wir im Lager ankommen schmerzt mein Rücken durch den schweren Rucksack.
12. August 2006
Durch den Eisbruch zum Lager III
Wieder fordert der steile Eisbruch den vollen Einsatz um ihn zu überwinden. Es handelt sich um drei Seillängen, wobei die erst Seillänge zum Teil im überhängenden Gelände verläuft. Nach der Steilstufe führt dann ein Hochtal zum Lager II. Hier ist der Schnee hart und wir kommen ohne all zu große Kraftanstrengung bis zum Dihiy-Paß. Der weitere Aufstieg entlang der Nordrippe ist anstrengend und wir müssen immer wieder eine Pause einlegen. Aber dann ist es geschafft und wir stehen am Eingang unserer Schneehöhle. Der Eingang ist zugeweht und so muss zuerst der Schnee mühevoll entfernt werden. Eine tolle Abendstimmung mit einer guten Fernsicht lässt uns auf gutes Wetter für die kommenden Tage hoffen.
13. August 2006
Schwieriger Aufstieg im Fels zum Lager IV
Steiler Fels (3-4 Grad) und steile Firnhänge wechseln sich bei der heutigen Etappe ab. Die in der Route vorhandenen Seile sind in einem dermaßen schlechten Zustand, dass sie nicht benutzt werden können. So gehe ich mit Dimar immer an unserem eigenen Seil und wir sichern uns gegenseitig. Als wir in 6400 m Höhe an einen geeigneten Lagerplatz ankommen schneit es bereits und der Wind hat Sturmstärke. An unserem vorgesehenen Lagerplatz hat es aber zu wenig Schnee um eine Schneehöhle zu bauen und so stellen wie unser Zelt hinter einer Schneemauer auf. Wir können das Zelt bei dem Sturm kaum noch verlassen, aber weitere Bergsteiger gehen an unserem Zelt vorbei und steigen weiter nach oben. Dimar überlegt sich, ob wir auch nochmals losgehen sollten. In Anbetracht des starken Schneefalls entscheiden wir uns jedoch hier zu bleiben.
Pik Pobeda Tagebuch Teil 3
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